Schleifkörper-Werk nach 100 Jahren vor dem Aus: Gnadenfrist für die letzten zwanzig Mitarbeiter

Dresden - Weltkrieg, DDR, Wendezeit. In seiner langen Firmengeschichte hat der Dresdner Standort des Hamburger Werkzeugherstellers Hermes, der einstige VEB Schleifkörper-Union Dresden, einiges er- und überlebt.

Die Proteste im Herbst 2020 waren erfolglos. Im Sommer schließt das Dresdner Hermes-Werk.
Die Proteste im Herbst 2020 waren erfolglos. Im Sommer schließt das Dresdner Hermes-Werk.  © Eric Münch

Doch statt in diesem Jahr das 100-jährige Bestehen des Betriebs zu feiern, in dem am 22. Dezember 1922 die erste Schleifscheibe vom Band lief, gehen im Sommer endgültig die Lichter aus. Daran konnten auch die Proteste der Mitarbeiter und Gespräche mit der Politik nichts ändern.

"Dem Großteil der Beschäftigten wurde im vergangenen Jahr gekündigt. Von den rund 100 Beschäftigten arbeiten noch 20 am Standort. Aber auch für die ist Ende Juni Schluss", sagt Norbert Winter (42) von der Gewerkschaft IG BCE, die für den Erhalt des Werks gekämpft hatte.

Eigentlich sollte das schon zum Jahresende geschlossen werden. "Die Laufzeit wurde aber um ein halbes Jahr verlängert", so Winter. Der Grund: Die große Nachfrage durch die Kunden und Verzögerungen beim Transfer der Maschinen bzw. dem Aufbau des Werks in Tschechien. "An der Abwicklung ändert das jedoch nichts", so der Gewerkschafter.

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In langen Verhandlungen konnten für die Mitarbeiter zumindest Abfindungen in Höhe eines knappen Monatsgehalts pro Beschäftigungsjahr erreicht werden.

Mitarbeiter profitieren von Facharbeitermangel - sie finden alle neue Jobs

Glück im Unglück: Durch den Fachkräftemangel haben die Beschäftigten, die nicht in den Ruhestand gegangen oder an einen anderen Standort gewechselt sind, anderswo neue Jobs gefunden. "Dort wurden sie mit Kusshand genommen", sagt Winzer.

Mit Blick auf das Ende des Traditionsbetriebs sei das allerdings nur ein schwacher Trost.

Titelfoto: Eric Münch

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