Schwerelos wie im All: Mit diesem Gerät trainieren sonst nur Astronauten

Dresden - Womit sonst Astronauten und Kampfjetpiloten trainieren, soll in Dresden jetzt Patienten helfen: Ergotherapeut Erik Mickel (36) setzt in seiner Praxis in der Südvorstadt auf einen "Spacecurl". Das Gerät mit den drei Ringen lässt Nutzer wie im Weltall durch den Raum rotieren - TAG24 hat's ausprobiert.

Körperspannung bitte! TAG24-Reporter Hermann Tydecks (38) schwingt in den Ringen umher.
Körperspannung bitte! TAG24-Reporter Hermann Tydecks (38) schwingt in den Ringen umher.  © Norbert Neumann

Ursprünglich wurde "Spacecurl" für NASA-Astronauten entwickelt. Die trainieren damit nach ihren Flügen, stärken ihre Haltungsmuskulatur, die im schwerelosen All geschwächt wird. Auch Jetpiloten nutzen es für ihren stark belasteten Nacken.

Seit einigen Jahren dient "Spacecurl" auch therapeutischen Zwecken. "Wir können damit Haltungsschäden aufspüren und therapieren, bei Rückenschmerzen und Gleichgewichtsproblemen helfen", sagt Ergotherapeut Mickel (betreibt fünf Praxen in Dresden).

Ich, der TAG24-Reporter, mache den Praxistest, steige in den Ring. Nur Füße und Hüfte werden in der Plattform umschnallt, geben Halt. Therapeut Mickel löst die Fixierung des ersten Ringes - ahhhhh, ich kippe sofort mit meinem freien Oberkörper nach vorne.

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"Neun von zehn Patienten passiert das", sagt Mickel. "Die Rückenmuskulatur ist geschwächt, ein typisches Problem." Ich spanne die Bauchmuskeln an, verlagere mein Gewicht nach hinten, der Ring schaukelt mit mir zurück.

Nachdem Mickel auch die beiden anderen Ringe freigibt, schwebe ich allein durchs Verlagern meines Gewichts hoch und runter, kreuz und quer - alles gleichzeitig. Das Ausbalancieren ist jetzt ein Kraftakt. Alle Muskeln sind angespannt, mir rinnt der Schweiß. Nach etwas Übung wage ich einen Überschlag nach vorne, fühle mich kurz schwerelos.

Wow, so viel Spaß kann das Training machen!

Der "Spacecurl" hilft auch Patienten nach Schlaganfällen oder mit Multipler Sklerose

Ergotherapeut Erik Mickel (36) erklärt seinen "Spacecurl".
Ergotherapeut Erik Mickel (36) erklärt seinen "Spacecurl".  © Norbert Neumann

"Mit individuellen Übungen können wir auch Patienten nach Schlaganfällen oder auch Multipler Sklerose helfen, wieder aufrecht zu gehen", so Mickel, der vom Hersteller mehrere Stunden geschult wurde. Mehr als 50.000 Euro investierte er in zwei "Spacecurls" für Kinder und Erwachsene.

Mickel stolz: "Die ermöglichen uns jetzt ganz neue Behandlungen."

Titelfoto: Norbert Neumann

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