Dresden - Sorge um Dresdens Baudenkmäler. Sachsens Grüne befürchten einen zunehmenden Verfall historischer Bauten, fordern die Stärkung des Denkmalschutzes im Freistaat. Auch in Dresden gingen bereits stumme Zeitzeugen unwiederbringlich verloren.
Im Stadtgebiet gibt es mehr als 9200 Baudenkmäler, wie eine Antwort der Staatsregierung auf eine Grünen-Anfrage zeigt.
"Baudenkmäler sind lebendige Zeugen der Geschichte, die uns mit ihrer Architektur und Geschichte die kulturellen Werte und Erlebnisse vergangener Zeiten näherbringen", sagt der Landtagsabgeordnete Thomas Löser (53, Grüne).
Doch sind im Freistaat in den letzten Jahren 355 Denkmäler (von insgesamt über 101 000 erfassten) abgerissen worden, teils ohne behördliche Genehmigung.
In Dresden sorgte der Abriss der "Villa Romana" an der Tolkewitzer Straße in Blasewitz (um 1902 errichtet) für Empörung. Der Eigentümer hatte das seltene Zeugnis der Baukunst (zwischen Neobarock, Art Déco und Neuer Sachlichkeit) 2014 ungenehmigt abreißen lassen, nachdem es in dem leer stehenden Gebäude mehrmals gebrannt hatte.
Es folgte ein jahrelanger Rechtsstreit. 2023 verdonnerte das Verwaltungsgericht den Eigentümer zum Wiederaufbau, der bislang nicht erfolgte. Immer wieder kommt es auch zu Bränden, meist verursacht durch Obdachlose oder abenteuerlustige Teenager. So geschehen etwa in der ehemaligen Malzfabrik Niedersedlitz, wo es zuletzt im Mai 2024 brannte.
Mehrere Dresdner Baudenkmäler in Gefahr
Laut Staatsregierung, die auch die untere Denkmalschutzbehörde der Stadt befragte, sind neun Bauten offiziell "vom Verfall bedroht".
Darunter Dresdens ältestes Postamt (1880 eingerichtet) an der Königsbrücker Straße in der Neustadt. Oder die frühere Pulvermühle (1885 erbaut, 1917 folgte der Siloturm) an der Heidenschanze in Coschütz.
Oder das ehemalige Reichsbahnausbesserungswerk (ab 1880) am Emerich-Ambros-Ufer in der Friedrichstadt. Die Dunkelziffer dürfte weit höher sein.
"Ohne rechtzeitige Schutzmaßnahmen bleibt von einem einstigen Meisterwerk am Ende oft nur ein ruinöses Gebäude", mahnt Löser.
"Weil vielerorts das Personal fehlt, sind aktuell leider zum Teil weder eine systematische Erfassung gefährdeter Denkmale noch ein proaktives Eingreifen möglich", fordert er die Staatsregierung auf, offene Stellen des Denkmalschutzes im Freistaat und in den Kommunen zügig nachzubesetzen, um weitere Verluste steinerner Zeitzeugen zu begrenzen.