Wenn man einsam stirbt: Letztes Geleit für die, die niemanden mehr haben
Dresden - Während draußen die Knospen sprießen und der Frühling neues Leben ankündigt, herrschte am Freitag im Inneren des Krematoriums auf dem Urnenhain Tolkewitz andächtige Trauerstimmung.
Kaum ein Sitz im Saal blieb frei. Mehr als hundert Menschen hatten sich zusammengefunden, um 16 verstorbenen Mitbürgern die letzte Ehre zu erweisen. Das Besondere: Niemand aus der Trauergemeinde war mit den verstorbenen Menschen verwandt.
Pfarrerin Anke Arnold (51) fand zu Beginn entsprechende Worte: "16 Bürger unserer Stadt sind gestorben. Jeder von ihnen hatte eine Geschichte, einen Platz in unserer Welt. Du bist nicht vergessen."
Die Namen der Verstorbenen wurden vorgelesen, vereinzelt gab es Redebeiträge aus der Gemeinde, die Anekdoten und Erinnerungen zum Besten gaben. Es wurde geschmunzelt und geweint.
Auch die Pfarrerin musste kurz innehalten: "Heute berührt mich diese Trauerfeier ganz besonders. Draußen sprießt der Frühling und wir nehmen Abschied von Menschen, deren Leben zu Ende gegangen ist."
Initiiert wurde die Veranstaltung von einem neuen Verein
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Doch der Anfang gehöre zum Ende, tröstete die Pfarrerin ihre Gemeinde und sich selbst.
Initiiert wurde die Veranstaltung vom Verein "Abschied für Dich", der sich erst im vergangenen Jahr gegründet hatte.
Er ist ein Zusammenschluss aus rund 20 evangelischen und katholischen Christen der verschiedenen Dresdner Gemeinden: "Mit Corona wurde die Dienstleistung für Verstorbene ohne Angehörige gekürzt. Beerdigung und Bestattung werden bezahlt, aber die Trauerfeiern nicht mehr", erklärt Vereinsmitglied Sindy Riepschläger (49).
Titelfoto: Steffen Füssel
