Dresden - Jetzt lassen die beiden Millionäre Oliver Kreider (60) und Thomas Bohn (58) erstmals durchblicken, was sie mit dem Lingnerschloss vorhaben. Den Übertragungsvertrag fürs Erbbaurecht haben sie schon unterschrieben - fehlt noch ein Ja vom Stadtrat. Dort herrscht trotz Werbekampagne Skepsis.
Bleibt das Lingnerschloss ein Ort für alle Dresdner oder wird daraus ein elitäres Unternehmerprojekt?
Auf ihrer neuen Internetseite (lingner-forum.de) geben die Millionäre etliche Versprechen: "Schloss, Terrassen und Grünflächen bleiben täglich für alle geöffnet", versichern sie.
Auf den Lingnerterrassen werde es weiterhin "Angebote für ein breites Publikum zu sozial verträglichen Preisen" geben.
Formate wie Vortrags-, Kino- und Konzertabende blieben erhalten, dazu kommen Ideen wie Sternenbeobachtung, Yoga auf dem Schlossdach oder ein Escape-Spiel.
Draußen planen die Unternehmer einen "dauerhaft zugänglichen Skulpturenpark" und einen Naturpfad, im Schloss selbst ein Café mit Lingner-Shop und im Schweizer Haus eine Vinothek.
Doch werden die großen Pläne auch umgesetzt? "Man weiß nicht, ob das nur PR ist", sagt Stadträtin Kristin Sturm-Karls (40, SPD). "Warum gehen sie erst an die Öffentlichkeit, nachdem schon ein Aufschrei durch die Stadtgesellschaft gegangen ist?"
Auch Stadträtin Ulla Wacker (54, Grüne) bleibt misstrauisch: "Was Kreider und Bohn versprechen, klingt ja nett. Aber ich vertraue dem bedingt."
Ohne Schlösserkonzept keine Entscheidung
Und CDU-Fraktions-Chefin Heike Ahnert (45) meint: "Die gegebenen Informationen sind mir noch zu unverbindlich." Entscheidend sei eben die Verbindlichkeit: Art und Umfang der künftigen Schlossnutzung müssten vertraglich so geregelt sein, dass Lingners Erbe bestmöglich umgesetzt wird. Derzeit gebe es weder Akteneinsicht, noch hat die Verwaltung eine Vorlage für den Stadtrat vorgelegt.
"Ich will diese Vorlage sehen", fordert Fraktions-Chef Holger Zastrow (57, Team Zastrow). Er, Wacker, Ahnert und Sturm-Karls kritisieren außerdem, dass die Verwaltung trotz Ratsbeschluss immer noch kein Schlösserkonzept - mit Anforderungen an den künftigen Betrieb der Dresdner Schlösser - vorgelegt hat.
"Scheinbar will irgendwer dem Stadtrat das Konzept nicht zeigen", vermutet Stadträtin Sturm-Karls. Auf TAG24-Anfrage erklärt das Rathaus, das bereits fertiggestellte (!) Papier im dritten Quartal 2026 in die Gremien geben zu wollen.
Ohne Schlösserkonzept keine Entscheidung, heißt es von den Grünen. Die Sozialdemokraten und Team Zastrow betonen, sich nicht erpressen lassen zu wollen: "Wir haben überhaupt keinen Zeitdruck."
Heike Ahnert: "Am Ende entscheidet ganz allein der Stadtrat." Es scheint keineswegs sicher, dass dieser Stadtrat Kreiders Schloss-Projekt zustimmt.