Entscheidung ums Ärztehaus gefallen: Politiker warnt vor "teurer Katastrophe"

Dresden - Im Streit um das Ärztehaus am Albert-Wolf-Platz in Dresden-Prohlis fiel am Donnerstagabend im Stadtrat die Entscheidung: Für den Bau eines Azubi-Wohnheims darf die Stadtentwicklungsgesellschaft STESAD das Gebäude abreißen lassen - unter bestimmten Voraussetzungen. Mehrere Fraktionen äußerten Bedenken zum Projekt.

Gemäß Stadtratsbeschluss darf das Ärztehaus am Albert-Wolf-Platz abgerissen werden, sofern alle Mieter ein vergleichbares Angebot in der Nähe erhalten haben.  © TAG24

Mit einer großen Mehrheit von 56 Ja-Stimmen zu zwei Nein-Stimmen und zehn Enthaltungen (BSW, Linke) ist die Beschluss-Empfehlung des Bau-Ausschusses angenommen worden. Das Gremium machte damit den Weg für eine "Baufeldfreimachung" auf dem Grundstück frei.

Dies darf jedoch erst geschehen, wenn den bisherigen Mietern "nachweislich ein adäquates, ortsnahes Angebot für einen alternativen Standort unterbreitet" wurde, wie es in dem abgesegneten Papier heißt.

Dabei wurde der Beschluss unter mehrheitlicher Zustimmung um einen Änderungsantrag der CDU erweitert, der OB Dirk Hilbert (54, FDP) beauftragt, die lückenlose hausärztliche Versorgung sicherzustellen.

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BSW-Stadrat Dominik Hecker befürchtet "teure Katastrophe"

BSW-Politiker Dominik Hecker (52) brachte während der Sitzung seine Bedenken zum Ausdruck.  © Eric Münch

In der Fraktionsrunde ums Ärztehaus meldete sich Dominik Hecker (52, BSW) zu Wort. Als Bewohner von Prohlis macht er sich Sorgen um den möglichen Wegzug der Praxen: "Wie man vor Ort hören kann, waren die Angebote höchst unverhältnismäßig und hatten mit adäquaten Lösungen überhaupt nichts zu tun."

Hecker erinnerte zudem daran, dass einzelne Mietverträge erst zum März oder September 2027 kündbar sind. "Das ist ein Problem", sagte er. Schließlich würde die STESAD schon im Januar mit dem Abriss beginnen wollen. "Was kommt da an Rechts- und Abfindungskosten auf uns zu?"

Der Politiker warnte vor einer "teuren Katastrophe" für den Stadtteil. "Praxen, die aus Prohlis verschwinden, kommen nicht mehr zurück, weil es einfach keine vergleichbaren Räume gibt."

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Ratsmitglied Falk Mende (45, FDP/FB) erklärte: "Wenn wir im Januar nicht mit dem Projekt beginnen, dann ist dieses Projekt gestorben." Er appellierte daher an den OB, das Vorhaben zur Chefsache zu machen.

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