SKD-Generaldirektorin Ackermann unter Beschuss: So viel Rückendeckung erhält sie vom Freistaat

Dresden - Marion Ackermann (57) muss derzeit viel einstecken. Die Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) wird von vielen Seiten kritisiert, im Internet mit Shitstorms belegt und offen angefeindet.

SKD-Generaldirektorin Marion Ackermann (57) bei einer Ausstellungseröffnung.
SKD-Generaldirektorin Marion Ackermann (57) bei einer Ausstellungseröffnung.  © Amac Garbe

Aus der politischen Opposition heraus wurde auch schon ihre Entlassung gefordert.

Warum?

Weil sie nach dem Raubüberfall auf das Grüne Gewölbe 2019 von ihren Gegnern für die Lücken im Sicherheitssystem der SKD mitverantwortlich gemacht wurde, die im post-kolonialen Diskurs erfolgte Umbenennung von Werken Wut hervorruft und man zuletzt beim Versuch der Wiederbeschaffung eines Teils der geraubten Kunstschätze einem Betrüger aufsaß.

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Nicht zuletzt gab es Kritik vom Landesrechnungshof an der Ankaufspraxis der SKD.

Anlass für uns, bei Ackermanns Arbeitgeber, dem Freistaat Sachsen, nachzufragen, wie er steht zu seiner höchsten Kunstrepräsentantin.

Ackermann hält Anschuldigungen offenbar nicht für gerechtfertigt

Die Generaldirektorin wird nach dem Einbruch ins Grüne Gewölbe interviewt.
Die Generaldirektorin wird nach dem Einbruch ins Grüne Gewölbe interviewt.  © Eric Münch

Ackermann äußert sich öffentlich nicht zu den Vorwürfen, doch wenn sie am Rande von Veranstaltungen inoffiziell etwas sagt, scheint zwischen den Zeilen durch, dass sie die Anschuldigungen für nicht gerechtfertigt hält.

Die 1965 in Göttingen geborene Kunsthistorikerin ist seit 1. November 2016 Generaldirektorin der SKD.

Ihr auf acht Jahre ausgelegter Vertrag läuft zum 31. Oktober 2024 aus, was in den aktuellen Auseinandersetzungen brisant sein könnte. Einen Vertrag nicht zu verlängern, ist für den Freistaat die einfachste Methode, sich unliebsames Führungspersonal vom Hals zu schaffen, zuletzt praktiziert im Fall des Chefdirigenten der Sächsischen Staatskapelle, Christian Thielemann (63).

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Die Personalie Ackermann ist jedoch anders gelagert. Sie sei "eine herausragende Kunstwissenschaftlerin und Museumsdirektorin, die über höchstes nationales und internationales Renommee verfügt", übermittelt uns in einer "Zwischenbilanz" zur Arbeit der Generaldirektorin Jörg Förster, Sprecher von Kulturministerin Barbara Klepsch (57, CDU), die Haltung des Hauses.

Erfolgreichstes Jahr für die SKD

Unter Ackermanns Führung sollen die Staatlichen Kunstsammlungen in Dresden das erfolgreichste Jahr erreicht haben.
Unter Ackermanns Führung sollen die Staatlichen Kunstsammlungen in Dresden das erfolgreichste Jahr erreicht haben.  © Matthias Rietschel/dpa/ZB

Ackermann positioniere die Staatlichen Kunstsammlungen mit ihren vielfältigen Einrichtungen sehr gut unter den weltweit bedeutenden Museen und vernetze sie nachhaltig in der sächsischen Kulturlandschaft.

Unter ihrer Führung hätten die SKD im Jahr 2019 mit mehr als 2,6 Millionen Besuchen das erfolgreichste Jahr erreicht und auch durch die für die Kultur sehr schwierige Corona-Krise habe sie die 15 Museen gut gesteuert, heißt es.

Ihr „wertvolles Netzwerk in Deutschland, Europa und der Welt“ mache sie programmatisch, aber vor allem auch finanziell für die SKD nutzbar und trage dazu bei, „dass durch Drittmittel die anerkannte wissenschaftliche Arbeit und anziehungsstarke Ausstellungsprojekte möglich werden“.

Ebenso die Eröffnung der Parade-Räume, der Wiedereröffnung der Galerie Alte Meister, die Entwicklung des Archivs der Avantgarden und Weiteres rechnet der Freistaat Ackermann als Verdienste an.

Dazu gehört entgegen dem Shitstorm, dessen Beschwerdeführer um Sachsens kulturelles Erbe fürchten, auch das Vorgehen im sensiblen Bereich der korrekten Benennung von Ausstellungsstücken: „Gerade in den Debatten, wie etwa bei den post-kolonialen Diskursen, werden die SKD als ein wichtiger Gesprächs- und Diskussionsraum wahrgenommen.“

Entsetzen, Ärger und bittere Belustigung

Die geheime Wiederbeschaffungs-Aktion des gestohlenen Bruststerns des polnischen Weißen Adler-Ordens ging schief.
Die geheime Wiederbeschaffungs-Aktion des gestohlenen Bruststerns des polnischen Weißen Adler-Ordens ging schief.  © Jürgen Karpinski/Grünes Gewölbe/Polizeidirektion Dresden/dpa

Pleiten, Pech und Pannen, alles drei trifft zu auf die missglückte Geheimaktion um die Wiederbeschaffung des gestohlenen Bruststerns des polnischen Weißen Adler-Ordens.

Nach Vermittlung durch einen Kunstdetektiv hatte die Führungsspitze der SKD Ende 2021 in Antwerpen einem Mann, der dies versprach, 40.000 Euro zugesteckt. Doch war der Mann ein Gauner und stiften gegangen mit dem Geld.

Die öffentlichen Reaktionen nach Bekanntwerden schwankten regional wie überregional zwischen Entsetzen, Ärger und bitterer Belustigung. Schon in der vergangenen Woche hatte die Staatsregierung sich in dieser Sache vor Ackermann gestellt.

In Verbindung mit der "Zwischenbilanz" wird das bekräftigt, mehr noch das Verhalten der Generaldirektorin lobend herausgestellt. "Frau Ackermann erhält im Nachgang dazu unsere volle Rückendeckung", heißt es.

Nachdem zunächst die Ermittlungsbehörden und der Anwalt der privaten Initiative kontaktiert worden waren, seien "die SKD eingebunden worden und Frau Ackermann bereit gewesen, mit Mitteln privater Förderer (kein Geld der öffentlichen Hand), nach Antwerpen zu fahren", wird erläutert.

Staatsregierung steht hinter Ackermann

Ob Marion Ackermann in Dresden bleiben möchte, ist noch unklar.
Ob Marion Ackermann in Dresden bleiben möchte, ist noch unklar.  © Steffen Füssel

"Den Mut, den sie zeigte, um ihren Beitrag zu einer möglichen Spur zu leisten, rechnen wir ihr hoch an." Bezüglich dieses Vorgehens seien die SKD im engen Kontakt mit Staatsanwaltschaft und Polizei gewesen, das Kulturministerium und Staatsministerin Barbara Klepsch "in diesen Sachverhalt nicht eingebunden".

Die Staatsregierung lässt derzeit also in keinem der strittigen Felder Distanz erkennen zur Generaldirektorin. Da mag man herauslesen, dass sie weitermachen möchte mit Ackermann an der Spitze der SKD nach 2024.

Spätestens ein Jahr vor Ende des Vertrages wolle man sich zur weiteren Zusammenarbeit verständigen, sagt Jörg Förster. Noch seien keine Gespräche geführt worden.

Was will die Generaldirektorin? Setzt auch sie auf das Weitermachen in Dresden? Eine Frage, die vorerst unbeantwortet bleibt. Möglicherweise öffnet sich für sie eine andere Option.

In wenigen Jahren geht in Berlin Hermann Parzinger (63), Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK), in Pension. Es gibt nicht wenige, die Marion Ackermann für eine geeignete Nachfolgerin halten.

Titelfoto: Amac Garbe

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