Umstrittener Regionalplan aufgestellt: Kommen jetzt tatsächlich Windräder in die Heide?

Dresden - Ganz Dresden diskutiert. Nun bekommt's die Stadt schwarz auf weiß: Der Regionale Planungsverband hat seinen Plan für Windradgebiete in den Kreisen Meißen, Sächsische Schweiz und für die Stadt Dresden aufgestellt. Darin: 102 Vorranggebiete für Windräder. Zwei davon im Schönfelder Hochland - und eins in der Dresdner Heide. Wenn es keinen größeren Gegenwind gibt.

Diese vom Borkenkäfer zerklüftete Fläche in der Dresdner Heide ist nun offiziell ein Vorranggebiet für Windräder.  © Stefan Häßler

"Lassen Sie mich anderthalb Worte vorwegschicken", sagte Verbandsvorsitzender Ralf Hänsel (56, CDU) zu Beginn der Sitzung, die gut 100 Bürger anzog. Auch er halte Flächenziele "für einen Fehler. Gleichwohl ist die aktuelle Rechtslage so wie sie ist."

Mit dem veröffentlichten Teilregionalplan setzen die Planer Bundesgesetz um, wonach bis nächstes Jahr 1,3 Prozent, bis 2032 2 Prozent Landesfläche für Windräder hermüssen. "Dafür gibt es nun die Vorranggebiete, wo am Ende des Tages Windkraftanlagen gebaut werden dürfen - aber nicht müssen", so Hänsel.

Fakt ist aber auch: Die Planungsregion ist die kleinste in Sachsen, zählt aber mit einer Million Einwohnern die höchste Siedlungsdichte. Der Plan hat "keinen Reservepuffer".

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Heißt: Nach allen Ausschlusskriterien fallen aktuell die gesetzlich vorgeschriebenen 1,3 Prozent an. Werden die nicht bebaut (oder etwa beklagt), wird das "eine noch größere Verspargelung der Landschaft zur Folge haben", wie Hensel sagte.

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Verbandsvorsitzender ist Landrat Ralf Hänsel (56, CDU).  © Norbert Neumann
Auch Baubürgermeister Stephan Kühn (46, Grüne) ist Teil des Verbands.  © Petra Hornig
Ein Windrad in Entstehung im Südschwarzwald.  © IMAGO/Zoonar

Dann soll die finale Entscheidung fallen

Die Verbandsversammlung fand am Montag im njumii-Zentrum der Handwerkskammer statt.  © Norbert Neumann
Nur eine Gegenstimme: Der Verband hat den umstrittenen Plan beschlossen.  © Norbert Neumann

Die Stadt Dresden ist dabei sogar noch gut weggekommen: Nur 0,4 Prozent der Kommunalfläche fallen dem Plan zufolge an. Dippoldiswalde etwa gibt 4 Prozent. Trotzdem sind die Gebiete umstritten: So sollen 80 Hektar in der Dresdner Heide, gute 32 am Helmholtz-Zentrum Rossendorf und fast 50 Hektar östlich des Triebenbergs her.

Fast zwei Drittel davon sind im Wald geplant. Und: Höhenbegrenzungen für die Windräder sind ausgeschlossen.

Der Fahrplan: Von Mai bis Juli sollen sämtliche Bedenken auch einzelner Bürger in mehreren Veranstaltungen gehört werden. Bis Anfang '27 werden diese ausgewertet. Zur Not würde der Plan überarbeitet. Das Ziel: Im Dezember '27 fällt der finale Beschluss.

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Baubürgermeister Stephan Kühn (46, Grüne) ist wie viele andere Stadträte Teil des Verbands. "Viele Firmen gerade im Silicon Saxony hängen ihre Ansiedlung an das Vorhandensein von Erneuerbaren Energien. Wir profitieren von den Ansiedlungen enorm! Insofern können wir uns nicht aus der Verantwortung stehlen", sagt er zu TAG24.

Doch auch Kühn sieht die "Interessenkonflikte, die sich auf einzelne Standorte konzentrieren." Das Elbland steht vor diskussionsreichen Wochen.

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