Restwärme als neue Energiequelle: Abwasser soll bald Dresden einheizen
Dresden - Heißes Bad, Waschmaschine oder Toilettenspülung: Was bei den Dresdnern im Abfluss verschwindet, soll künftig ganze Stadtviertel wärmen.
SachsenEnergie und Stadtentwässerung planen an der Kläranlage in Kaditz ein Mega-Projekt: Eine riesige Wärmepumpe soll dem gereinigten Abwasser die Restwärme entziehen und ins Dresdner Fernwärmenetz jagen.
Auf dem Klärwerksgelände entstehen wegen der Chip-Fabriken im Dresdner Norden ohnehin zwei neue Nachklärbecken. Bevor das geklärte Abwasser in die Elbe abfließt, soll es künftig einen Abstecher durch einen Großwärmepumpen-Prototyp machen.
Ein großer Vorteil gegenüber normalen Luft-Wärmepumpen: Selbst im tiefsten Winter kommt das Abwasser noch mit rund 12 Grad an – im Sommer sogar mit über 20 Grad.
Fünf Grad Wärme werden über ein Kältemittel abgezapft, weiter erhitzt und ins Fernwärmenetz geleitet. "Abwasser erzeugen wir alle täglich", erklärt SachsenEnergie-Vorstand Axel Cunow (47) einen weiteren Vorteil.
Endlich gebe es die Möglichkeit, diese heimische und ständig verfügbare Quelle zum Heizen zu nutzen und das Netz damit weiter zu dekarbonisieren.
Die Inbetriebnahme der Großwärmepumpe ist für 2033 geplant
Nach aktuellen Berechnungen könnten so 5,7 Prozent des Dresdner Fernwärmebedarfs gedeckt und gegenüber der erdgasbasierten Wärmeerzeugung fast 12.500 Tonnen CO₂-Emissionen pro Jahr vermieden werden. Bis zu 4800 Haushalte könnten quasi mittels Abwasser heizen.
Nun setzten die Chefs ihre Unterschrift unter einen Planungsvertrag. Bis das Abwasser die Heizkörper wärmt, dauert es allerdings noch:
Wegen Genehmigungsverfahren und weiterer Arbeiten auf dem Areal rechnet Stadtentwässerungs-Chef Ralf Strothteicher (63) mit einer Inbetriebnahme der Großwärmepumpe ab 2033. Zudem steht und fällt das 35-Millionen-Projekt mit Fördergeld: SachsenEnergie baut nur, wenn der Bund 40 Prozent der Kosten übernimmt.
Übrigens: Im Mini-Format heizt die Weinbergskirche in Trachenberge schon seit Jahren über einen Wärmetauscher mit Kanal-Abwärme.
Titelfoto: Bildmontage: Steffen Füssel, 123RF

