Süße Hilfe für klamme Friedhöfe: Imker-Honig vom "Gottesacker"

Dresden - Die Stadt will die Mittel zur Instandhaltung der 58 Dresdner Friedhöfe um rund ein Drittel kürzen. Was dem Rotstift dabei wohl zuerst zum Opfer fallen würde: die Bepflanzung herrenloser Gräber. Der Johannisfriedhof kontert mit einer wahrlich süßen Einnahmequelle: Honig vom Gottesacker.

Friedhofs-Chefin Beatrice Teichmann (46) zeigt stolz den Honig vom Gottesacker.
Friedhofs-Chefin Beatrice Teichmann (46) zeigt stolz den Honig vom Gottesacker.  © Foto Koch

"Seit 13 Jahren hat Imker Albrecht Gähler Bienenstöcke auf dem Friedhof, mittlerweile sind es sieben Beuten", so Friedhofs-Chefin Beatrice Teichmann.

"Seit 2020 kauft der Freundeskreis des Trinitatis- und Johannisfriedhofes den Honig auf und verkauft ihn selbst weiter." Für acht Euro pro Glas. "Die etwa fünf Euro Reinerlös stecken wir in die Bepflanzung herrenloser Gräber. Rund 200 Gläser Honig haben wir bereits verkauft. Sieben Gräber konnten wir schon neu anlegen und bepflanzen."

So auch die Grabstelle von Isolde Frölian, die 1936 bei den Olympischen Spielen in Berlin die Goldmedaille im Turnen gewann. Oder das Grab von Max Zimmermann, dem Mitbegründer der Leipziger Pianofortefabrik.

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Dabei hat der Friedhof einiges dazugelernt, um den Bienen verlockende Angebote zu unterbreiten. "Die verwaisten Gräber werden insektenfreundlich begrünt.

Statt Hortensien pflanzen wir Minzarten und Lavendel", so Teichmann. Außerdem wird die fast 2500 Quadratmeter große Wiese am Christustor der Wallotkapelle nur noch extensiv gemäht. So können Bienen Wiesenglockenblumen oder wilde Margeriten anfliegen.

Ulrich Forchner entwarf das Etikett für den Honig, aber auch die bekannte Verpackung für Bambina-Schokolade.
Ulrich Forchner entwarf das Etikett für den Honig, aber auch die bekannte Verpackung für Bambina-Schokolade.  © Foto Koch

Etikett von Ulrich Forchner entworfen

Damit der Honig auch seine Abnehmer findet, hat die Friedhofs-Chefin private Kontakte spielen lassen. "Ich kenne den Leipziger Karikaturisten und Grafiker Ulrich Forchner. Er hat das Etikett für den Honig entworfen, das immer wieder für Lächeln sorgt."

Den Honig gibt es - solange der Vorrat reicht - nur bei der Friedhofsverwaltung.

Titelfoto: Montage: Foto Koch (2)

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