Von den eigenen Kollegen angezeigt: Hauptkommissar wegen Körperverletzung vor Gericht
Dresden - Der Druck war enorm, die Nerven lagen blank und dann passierte, was nicht passieren darf: Polizist Daniel M. (49) schlug laut Anklage zwei Jugendliche (damals 17). Nun ist der Prozess gegen den suspendierten Kriminalhauptkommissar am Amtsgericht Dresden.
Seinerzeit war die Polizei fast täglich im Umfeld der Neustadt unterwegs. Die eigens gegründete Soko Iuventus versuchte, die steigende Jugendkriminalität im Viertel einzudämmen. Und so sollte Ende Oktober 2022 spätabends am Königsufer eine Gruppe von etwa 70 Jugendlichen (unter denen sich Intensivtäter befanden) kontrolliert und Präsenz gezeigt werden. So weit die Theorie.
In der Praxis standen der Gruppe nur etwas mehr als 20 Beamte gegenüber. "Wegen der Überzahl und des möglichen Gewaltpotenzials" wollte Daniel den Einsatz sogar abblasen, zog die Aktion dann aber doch durch.
Er war nach Jahren in der Soko Rex und bei der Drogenfahndung seit einigen Monaten in der neuen Soko, wo er unerwartet zum kommissarischen Leiter berufen wurde.
"Meine Arbeit als Sachbearbeiter blieb liegen, ich hatte plötzlich Personalsachen zu regeln, war aber immer mit im Einsatz. An dem Tag war ich seit 7 Uhr im Dienst", so der Polizist. Kurz: "Ich war einfach überfordert."
Kollegen zeigten den Beamten an
Und freilich stieß die Kontrolle auf Unmut bei den Jugendlichen. Den "Rädelsführer", einen jungen Tschetschenen, "separierte" Daniel. Allerdings zog er ihm dabei eine Taschenlampe über den Kopf. "Das hätte nie passieren dürfen", so der Polizist, der seinem Opfer inzwischen 1000 Euro zahlte.
"Ich bedauere das zutiefst." Auch einen afghanischen Jugendlichen soll er mit der Faust geschlagen haben, bestreitet das aber. Demnach widersetzte sich der Junge der Maßnahme. Was folgte, sei "einfache körperliche Gewalt" gewesen.
Angezeigt wurde Daniel von Kollegen. "Der war auf 180", beschrieb ein Beamter dessen damaligen Zustand. Die Opfer verweigerten im Prozess die Aussage, um sich nicht selbst zu belasten.
Bekannt wurde aber, dass beide noch am selben Abend als Täter bei Vorfällen am Alaunpark aufgegriffen wurden. Einer sitzt gerade in U-Haft, weil er jüngst an einem schweren Raub beteiligt gewesen sein soll. Der Prozess gegen den Beamten wird fortgesetzt.
Titelfoto: Peter Schulze

