Kleine Josephine von Mama und Stiefpapa als Sexsklavin gehalten? Ein unglaublicher Justiz-Skandal

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Goslar/Bad Harzburg - Im Juni 2023 werden Ramona und Thorsten R. wegen jahrelangem sexuellem Missbrauch an Josephine zu Gefängnisstrafen, die Mutter sogar zu Sicherungsverwahrung, verurteilt. Doch alle Vorwürfe der Tochter waren frei erfunden. Die Reihe "ARD Crime Time" skizziert einen unglaublichen Justizfall.

Josephines Stiefvater Thorsten und Mutter Ramona R., deren Aussehen für die Dreharbeiten verändert wurde.
Josephines Stiefvater Thorsten und Mutter Ramona R., deren Aussehen für die Dreharbeiten verändert wurde.  © NDR/Bernd Hermes

Im April 2016 ist alles noch wunderbar in der Familie. Die gerade volljährige Josephine heiratet ihren Partner Enrico am selben Tag, an dem sich auch ihre Mama Ramona und Stiefvater Thorsten das Jawort geben. Die Liebe zueinander geht sogar so weit, dass beide Wand an Wand in benachbarten Wohnungen im niedersächsischen Goslar leben.

Nach der Geburt von Josephines Sohn geht die Tortur für einige ihr nahestehenden Personen los. Sie schottet sich ab, Enrico trennt sich von ihr, das Kind kommt ins Heim. Im März 2020 folgen die ersten Vergewaltigungs- und Missbrauchsvorwürfe gegen Enrico.

In einer folgenden stationären Therapie lernt sie Miriam A. kennen. Im Februar 2021 verlassen sie die Klinik als Paar. Es gibt Vorwürfe gegen Ramona und Thorsten. Sie sollen Schwiegertochter Miriam gefesselt, misshandelt und "Fehler" auf ihren Rücken eingeritzt haben.

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Aufgrund der Anschuldigungen landet Ramona R. im Mai 2021 in U-Haft.

Anwalt Volker Wulf holte Ramona R. nach drei Wochen zunächst aus der U-Haft.
Anwalt Volker Wulf holte Ramona R. nach drei Wochen zunächst aus der U-Haft.  © NDR/André Krüger

"ARD Crime Time": Vorwürfe auch gegen Miriam

Auch Josephines Ehemann Enrico R. wurde beschuldigt.
Auch Josephines Ehemann Enrico R. wurde beschuldigt.  © NDR/Christoph Rohrscheidt

Nach der Trennung von Miriam beschuldigt Josephine nun auch sie. Das angebliche Opfer wird im Juli 2021 gefesselt in einem Transporter an der A20 bei Grevesmühlen gefunden. Die damals 28-jährige Miriam wird nach ihrer Vernehmung in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen.

Nach ihrer Entlassung will Erdal A. alles von seiner Tochter Miriam wissen. Er zeichnet die Gespräche auf. "Sie hat mir erklärt, dass das komplett inszeniert war", berichtet er in der ARD-Doku. Eine Inszenierung als Hilfeschrei, damit Josephine vor ihrer angeblich gefährlichen Familie gerettet wird.

Doch es kommt noch skurriler. Josephine behauptet Ende 2021, neben ihrer eigenen Familie als Minderjährige auch von Miriam als Sexsklavin gehalten, sogar beinahe umgebracht worden zu sein. Und auch Erdal A. habe sie vergewaltigt, zusammen mit seiner Tochter.

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Viele Vorwürfe und noch mehr Fragezeichen.

Ermittler Lutz Lucht hatte Zweifel an Josephines Geschichten.
Ermittler Lutz Lucht hatte Zweifel an Josephines Geschichten.  © NDR/Bernd Hermes

Ramona und Thorsten sitzen 684 Tage unschuldig im Gefängnis

Auch Ex-Freundin Miriam landete auf der Anklagebank.
Auch Ex-Freundin Miriam landete auf der Anklagebank.  © Moritz Frankenberg/dpa

Im Juli 2022 geht es weiter. Josephine behauptet, Mutter und Stiefvater wollen sie umbringen und dies wie Suizid aussehen lassen. Tatsächlich wird die Tochter in der Nacht - nicht ansprechbar nach Einnahme eines Medikamenten-Cocktails - ins Krankenhaus eingeliefert.

Ramona und Thorsten werden abermals verhaftet, nachdem ein SEK-Trupp ihre Wohnungstür aufgebrochen hat.

Im März 2023 steht das Ehepaar vor Gericht. "Wir wussten von Anfang an: Wir haben keine Chance, wir können machen, was wir wollen", sagt Ramona, die 13,5 Jahre Freiheitsstrafe samt Sicherungsverwahrung erhielt, Partner Thorsten immerhin neuneinhalb.

Doch der Bundesgerichtshof hebt das Urteil wegen Zweifel an Josephines Glaubwürdigkeit auf. Im neu aufgerollten Prozess gibt es deutlich mehr Skepsis gegenüber den Aussagen.

Ramona und Thorsten sitzen letztlich 684 Tage unschuldig hinter Gitter. Weil sie Gerechtigkeit wollen, haben sie und Miriams Eltern Anzeige gegen die verantwortliche Oberstaatsanwältin erstattet. Eine Entscheidung der Generalstaatsanwaltschaft steht noch aus.

Gegen Josephine wurde wegen falscher Verdächtigungen, Falschaussage und Freiheitsberaubung ermittelt, aber noch keine Anklage erhoben. Miriam saß nach dem anderen Freispruch selbst noch eineinhalb Jahre im Gefängnis.

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X  © NDR/Der Prignitzer

Streaming-Tipp: Die neue dreiteilige "ARD Crime Time"-Doku "Der Fall Josephine R. - eine Familie am Abgrund" ist jederzeit in der ARD-Mediathek abrufbar.

Titelfoto: NDR/Bernd Hermes

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