Neuer Ermittlungsansatz: War Amokfahrer über sich selbst entsetzt und hielt deshalb an?

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Leipzig - Drei Tage nach der tödlichen Amokfahrt in Leipzig gibt es in den Ermittlungen neue, spannende Erkenntnisse. Bei der Analyse der Fahrweise des Täters stießen die Ermittler auf Hinweise, die die relativ geringe Opferzahl auf der 450 Meter langen Fahrstrecke erklären könnten.

Jeffrey K. (33) bei seiner Festnahme. Möglicherweise war er von seinem Handeln selbst erschrocken, sodass es bei der im Verhältnis zu vergleichbaren Taten relativ geringen Opferzahl blieb.
Jeffrey K. (33) bei seiner Festnahme. Möglicherweise war er von seinem Handeln selbst erschrocken, sodass es bei der im Verhältnis zu vergleichbaren Taten relativ geringen Opferzahl blieb.  © privat

Bei den Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft steht aktuell das Fahrverhalten von Jeffrey K. (33) im Mittelpunkt. Anhand von Reifenspuren, Überwachungsvideos aus Geschäften und den Handyaufzeichnungen von Augenzeugen versuchen die Beamten zu analysieren, wie die Fahrt ablief und ob der Amoktäter gezielt auf bestimmte Personen zusteuerte.

Dabei stellte sich bereits heraus, dass er offenbar nicht die gesamte Strecke mit gleichbleibend hoher Geschwindigkeit durchgefahren ist. In Auswertung der ersten Erkenntnisse steht nun als Ermittlungsansatz die These im Raum, dass K. nach dem Zusammenprall mit den ersten Opfern selbst über sein Verhalten erschrocken gewesen sein könnte und ab etwa Mitte der Fahrtstrecke, spätestens jedoch ab Erreichen des südlichen Marktplatzes nicht mehr gezielt Jagd auf Menschen machte.

"Ein Täter, der so viele Passanten wie möglich töten will, wäre dann rechts auf den Markt oder links auf die Petersstraße gefahren", sagte ein Ermittler TAG24.

Amokfahrer hielt selbst an und verharrte starr hinterm Steuer

Anders als es Gerüchte verbreiten, wurde der VW des Amokfahrers nicht von einem Poller gestoppt. Jeffrey K. hielt selbst an und ließ sich festnehmen.
Anders als es Gerüchte verbreiten, wurde der VW des Amokfahrers nicht von einem Poller gestoppt. Jeffrey K. hielt selbst an und ließ sich festnehmen.  © DPA

Jeffrey K. fuhr jedoch geradeaus in Richtung Thomasgasse - ein weniger frequentierter Bereich, der über den Thomaskirchhof direkt zur (abgepollerten) Ausfahrt aus der City führt. Dabei soll er nach Zeugenaussagen - wie auf der Flucht - noch einmal beschleunigt und dabei die 63-jährige Frau tödlich verletzt haben.

Möglicherweise, so eine Arbeitshypothese der Kripo, handelte K. hier schon nicht mehr in Tötungsabsicht, sondern war durch die eingedrückte Frontscheibe in seiner Sicht behindert.

Kurz darauf stoppte der Amokfahrer vor den Pollern und verharrte bis zur Festnahme fast starr hinterm Steuer.

Leipzig: Amokfahrt in Leipzig: Fake-Fotos zeigen Jeffrey K. in AfD- und Antifa-Shirt
Leipzig Amokfahrt in Leipzig: Fake-Fotos zeigen Jeffrey K. in AfD- und Antifa-Shirt

Auf der 450 Meter langen Fahrtstrecke hatte es zwei Todesopfer gegeben, sechs Menschen wurden verletzt, davon zwei schwer.

Titelfoto: Montage: dpa + privat

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