Wie bitte?! Bauer soll Kühe einzeln ummelden, wenn sie beim Fressen zwischen Bundesländern wechseln

Hildburghausen - Hört sich an wie ein schlechter Scherz, ist von den Behörden aber vollkommen ernst gemeint. Kühe, die zwischen der Grenze Thüringens nach Bayerns grasen, sollen sich doch bitte an die Grenzlinien halten!

Heckrinder sollten den Auerochsen ähneln, waren besonders beim Nazi-Regime beliebt und sollten als deutsche "Urrasse" wieder ausgewildert werden. (Symbolbild)
Heckrinder sollten den Auerochsen ähneln, waren besonders beim Nazi-Regime beliebt und sollten als deutsche "Urrasse" wieder ausgewildert werden. (Symbolbild)  © DPA

Wie die Bild berichtet, wurde genau das nun an Bauer Dietmar Koch herangetragen. Der betreibt bei Hildburghausen im Süden Thüringens eine Agrarwirtschaft, bei der rund 30 der seltenen Heckrinder auf einer 70-Hektar-Wiese stehen.

Das Besondere: Die Wiese liegt genau auf der Grenze zwischen Bayern und Thüringen, bisher war das aber kein Problem, seine Kühe durften sich frei zwischen den Bundesländern bewegen - doch damit soll jetzt Schluss sein!

Denn die Behörden wollen, dass der Bauer seine Weide mit einem 150 Meter langen Zaun teilt, damit die Tiere nicht mehr zwischen den Bundesländern wechseln. Unglaublicher Grund: Verschiedene Tierseuche-Vorschriften.

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Würde er die Weide weiter als Ganzes nutzen wollen, müsse er die Tiere jedesmal, wenn sie die Grasgrenze übertreten einzeln ummelden, damit bei Kontrollen die Nummern bei den Veterinärämtern stimmen und geklärt ist, wer für welche Kuh zuständig ist.

In der Praxis völlig undenkbar! Besitzer Dietmar Koch steckt nun aber in einer Zwickmühle, denn er kann die Kühe nicht einfach nur auf einer Seite der Weide stehen lassen, denn er hatte sich zu Beginn seines Projektes dazu verpflichtet, für beide Bundesländer dafür zu sorgen, dass die Kühe die Weide nicht zuwuchern lassen, bekommt dafür im Rahmen des Naturschutz-Projekt "Grünes Band", Geld.

Am liebsten würde er das teure Projekt nun einfach hinschmeißen, besonders da es nicht das erste Mal sei, dass sich die Länder querstellen. Die hatten nämlich schon beim Bau der Weiden auf strickte Bautrennung bestanden - zwei Firmen mussten für ein und den selben Zaun anrücken, weil der die Grenze überschritt.

Das Veterinäramt in Hildburghausen gab an, dass in diesem Fall " länderübergreifende und förderrechtliche Bestimmungen" im Vordergrund stünden, sie könnten nicht über die Zuständigkeit hinaus agieren.

Was sind Heckrinder?

Heckrinder sind ein Kuh-Art, die eigentlich als eine "Rückzüchtung" des Auerochsen gehandelt werden sollte - doch die Züchtung ging schief. Die beiden Brüder Heinz und Lutz Heck hatten sich in den 1920er Jahren der Züchtung eines Rasse verschrieben, die dem ausgestorbenen Auerochsen besonders ähnlich sein sollte.

Doch über die Urrasse war wenig bekannt, so versuchten die beiden einfach die Hörner und die Farbe des Auerochsen nachzuempfinden, die Körperform wurde dabei komplett vernachlässigt. Nach den ersten Erfolgen wurde NS-Führer Hermann Göring auf die Tiere aufmerksam, wollte sie als leidenschaftlicher Jäger wieder auswildern lassen.

So wurden 20.000 Menschen in Polen aus ihrer Heimat vertrieben oder deportiert, damit hier ein "germanischer Urwald" mit "urdeutschen" Tieren, wie dem Heckrind, entstehen konnte. Im weiteren Kriegsverlauf konnte das aber nicht mehr verwirklicht werden.

Heute werden Heckrinder besonders in Zoos, landwirtschaftlichen Betrieben oder bei Beweidungsprojekten wie in Hildburghausen eingesetzt.

Titelfoto: DPA

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