Trotz "Höhle der Löwen" und Co.: So schwer haben es Erfinder

Gründau/Frankfurt am Main - Erfinder-Shows sind Trend im Fernsehen. Ob "Die Höhle der Löwen" (Vox) oder "Das Ding des Jahres" (ProSieben): Tüftler und Macher können ihre Ideen zur besten Sendezeit einem großen TV-Publikum präsentieren. Dennoch haben es Erfinder nach Experten-Einschätzung schwer, ihre Ideen umzusetzen und vermarktbare Produkte zu entwickeln.

Immer dienstags um 20.15 Uhr (Vox) sind die "Löwen" auf der Suche nach profitablen Erfindungen.
Immer dienstags um 20.15 Uhr (Vox) sind die "Löwen" auf der Suche nach profitablen Erfindungen.  © TVNow/Bernd-Michael Maurer

Prinzipiell bewertet der Deutsche Erfinderverband das große Interesse an Tüftlern erst einmal positiv: "Diese Sendungen wirken der lange Zeit vorherrschenden Meinung entgegen, dass viele Erfinder Spinner sind", sagte Vorstand Eberhard Kübel der Deutschen Presse-Agentur.

Die neue mediale Bühne motiviere kreative Köpfe zunehmend, ihre Idee umzusetzen und zu Papier zu bringen, statt sie nur im Kopf herum zu tragen. 

Kübel schränkt aber ein: "Die Verwertungs-Quote von Erfindungen ist katastrophal klein und vieles entpuppt sich als nicht realisierbar".

Tüftler stünden vor einer Reihe von Hürden. Das erste Problem sei, erklärt Kübel, die Idee erstmal soweit voranzutreiben, um zu prüfen, ob sie etwas taugt.

"Dafür braucht man ein Funktions-Modell oder einen Prototypen. Der kostet meist Geld. Und viele Erfinder haben kein Geld." Dann gelte es im Dschungel der Patent-Anmeldungen herauszufinden, ob es schon solch ein Produkt gebe.

Ein weiteres Hemmnis: Die Industrie sei oftmals schwer zu begeistern. Es mangele an der Bereitschaft, Ideen von außen aufzunehmen. Denn dann stünden die eigenen Entwicklungsabteilungen schlecht da.

Hessische Erfindung schafft es in den bundesweiten Handel

Simon Schmidt präsentiert seine "Teaballs".
Simon Schmidt präsentiert seine "Teaballs".  © dpa/Jörn Perske

Nichtsdestotrotz haben zuletzt einige Erfinder aus Hessen öffentlichkeitswirksam auf sich aufmerksam gemacht. Simon Schmidt etwa aus Gründau im Main-Kinzig-Kreis kreierte sogenannte "Teaballs".

"Abwarten und Tee trinken" ist nicht seine Devise. Von langen Zieh-Zeiten und tropfenden Teebeuteln hatte der 36-Jährige irgendwann genug. Deswegen entwickelte der Wirtschaftsingenieur die Teaballs.

Drei, vier Kügelchen aus einem kleinen Spender reichen, um sich eine Tasse Tee in verschiedenen Sorten zuzubereiten. Bei den Teaballs - 60 Milligramm pro Kügelchen - handelt es sich um Dragees aus Pflanzenextrakt.

Vor zehn Monaten präsentierte er seine Idee, mittlerweile hat es seine Erfindung in den bundesweiten Handel geschafft. Seit Mitte Januar bietet eine Drogerie-Kette drei Teesorten vom Startup Teaballs GmbH an.

Bis dahin konnte man den Tee nur online bestellen und in Geschäften im Main-Kinzig-Kreis kaufen. Für Experten ist die Verwendung von Extrakten zur Teezubereitung zwar nicht neu, aber sie halten das Konzept für interessant.

"Die Idee finde ich toll und innovativ", sagte Joachim Schmitt, Professor für Lebensmitteltechnologie an der Hochschule Fulda.

Titelfoto: Bild-Montge: TVNow/Bernd-Michael Maurer, dpa/Jörn Perskee

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