Von Sandra Trauner, Nicole Schippers
Frankfurt am Main - Für die einen ist es ein Symbol der Hoffnung, für andere reine Geldverschwendung: Seit über der Konstablerwache auf der Frankfurter Zeil eine Wolke aus bunten Netzen schwebt, hat die Stadt ein neues Thema. Dabei ist Streit um Kunst im öffentlichen Raum alles andere als neu.
"A Sky Full of Hope – Earthtime 1.78 Frankfurt" heißt das transparente Gebilde. Es stammt von der US-amerikanische Künstlerin Janet Echelman (60).
In sieben Metern Höhe schwebt das 200 Quadratmeter große, rot-blaue Gebilde - gehalten von vier Pfosten - über dem Platz. Drei Jahre lang soll das zwei Millionen Euro teure Kunstwerk dort hängen.
An diesem Dienstag wird das Kunstwerk im Museum Angewandte Kunst offiziell vorgestellt, die Künstlerin und Oberbürgermeister Mike Josef (43, SPD) sind dabei.
Bei Einbruch der Dunkelheit folgt das "Grand Opening" mit einer eigens kuratierten Licht- und Sound-Show. Von da an wird das Kunstwerk jede Nacht beleuchtet.
Seit das Ding hängt, regen sich in den sozialen Medien viele Frankfurter auf. "Sinnlos", "hässlich", "lächerlich" sind häufige Vokabeln. Man könne darauf warten, bis tote Vögel drin hängen, wenn nicht Dosen oder Flaschen. Ein User spottet auf Facebook: "Endlich hat der gemeine Drogendealer ein schöneres Ambiente am Arbeitsplatz."
Der Hauptvorwurf: "Geldverschwendung". Die Stadt hätte besser ein Sonnensegel über den in der Hitze brütenden Platz gespannt, einen Brunnen installiert, Bäume gepflanzt oder Bänke aufgestellt, finden viele. Andere sind der Meinung, als Erstes müsste man Schulen sanieren oder Altenheime klimatisieren.
Sinnlos, hässlich und lächerlich oder Symbol für Offenheit, Vielfalt und Verbundenheit?
Das Kulturdezernat stellt klar: "Es ist wichtig zu wissen, dass das Geld nicht aus dem laufenden Kultur-Etat stammt. Es wurde dafür also nicht an anderer Stelle bei Kunst, Kultur oder Wissenschaft in der Stadt gekürzt."
1,2 Millionen Euro stammen aus Überträgen der "Initiative Innenstadt" von 2024, die "aus organisatorischen Gründen nicht verausgabt werden konnten, sie wären verfallen". Der Rest stammt aus dem Nachtragshaushalt 2025.
In der Lesart der Auftraggeber steht das farbenfrohe Kunstwerk "für Offenheit, Vielfalt und internationale Verbundenheit".
Anlass für den Auftrag war der Titel "World Design Capital 2026 Frankfurt und Rhein-Main", unter dessen Dach eine das ganze Jahr über zahlreiche Ausstellungen und Aktionen stattfinden.
Auf der Homepage des "WDC" wird das Kunstwerk noch tiefer interpretiert: "Die Balance der Farben symbolisiert sowohl das Zusammenspiel unterschiedlicher kultureller Perspektiven als auch das Verhältnis zwischen Mensch und Natur."
Das Netz reflektiere auch das "WDC"-Leitthema "Design for Democracy": "Es lässt sich als Sinnbild für das Zusammenleben in einer demokratischen Gesellschaft verstehen: Jeder Knoten zählt, jede Verbindung trägt zur Stabilität des Ganzen bei."