Hamburg: Blutbad bei Zeugen Jehovas! Acht Tote und acht Verletzte

Hamburg – Blutbad in Hamburg! Am Donnerstagabend gab es eine Schießerei in einem Gebäude der Zeugen Jehovas im Stadtteil Groß Borstel. Acht Menschen wurden dabei tödlich, acht teils schwer verletzt. Dies bestätigte Innen- und Sportsenators Andy Grote (54, SPD) am Freitagmittag in einer Pressekonferenz.

Zahlreiche Rettungskräfte sind nach einer Schießerei in Hamburg-Alsterdorf im Einsatz.
Zahlreiche Rettungskräfte sind nach einer Schießerei in Hamburg-Alsterdorf im Einsatz.  © Blaulicht-News.de

Nach einer Schießerei bei einer Veranstaltung der Zeugen Jehovas in der Straße Deelböge lief Donnerstagnacht ein Großeinsatz von Feuerwehr und Polizei. Gegen 21 Uhr sollen gleich mehrere Notrufe eingegangen sein.

Kurz darauf verschafften sich USE Einheiten gewaltsam Zutritt und konnten durch die Trennung von Tätern und Opfern schlimmeres verhindern, erklärte Grote am Freitag.

Die Polizei selbst bestätigte bereits kurz nach der Tat auf Twitter mehrere Tote, nannte aber zunächst keine konkreten Zahlen.

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"Die Toten haben alle Schussverletzungen", sagte ein Polizeisprecher.

Die Schüsse sind wohl während einer Veranstaltung der Zeugen Jehovas gefallen. Etwa 40 Personen sollen im Raum gewesen sein. Laut NDR sprach die Polizei am späten Abend von einer Amoktat.

Täter möglicherweise unter den Toten

Beamte der Spurensicherung am Tatort, dem "Königreichssaal" der Zeugen Jehovas Gemeinde in Groß-Borstel.
Beamte der Spurensicherung am Tatort, dem "Königreichssaal" der Zeugen Jehovas Gemeinde in Groß-Borstel.  © Steven Hutchings/dpa

Einem ntv-Reporter sagte ein Polizeisprecher vor Ort, dass gegen 21.15 Schüsse gefallen sein sollen. Die ersten Beamten fanden Verletzte und Tote im Erdgeschoss, hörten einen Schuss aus einem oberen Stockwerk und entdeckten dort einen weiteren Toten.

Wie die Polizei am Freitagmorgen auf ihrer Website mitteilte, sei unter den Toten "offenbar auch der mutmaßliche Täter". Dies war zunächst nicht 100 Prozent klar gewesen. Hinweise auf flüchtende Täter hatte es nicht gegeben.

Die Hintergründe der Tat sind bisher noch immer unklar.

Schütze soll Ex-Mitglied der Zeugen Jehovas sein

Nach Informationen des Nachrichtenmagazins Der Spiegel soll es sich bei dem Schützen um ein 30 bis 40 Jahre altes ehemaliges Mitglied der Glaubensgemeinschaft handeln.

Die Tatwaffe sei demnach eine Pistole gewesen, ob sich diese legal oder illegal in Besitz des Mannes befand, sei hingegen unklar.

Der mutmaßliche Todesschütze sei den Behörden nach Informationen aus Sicherheitskreisen nicht als Extremist bekannt gewesen, teilte die DPA am Freitagvormittag mit. "Dass sein Name dennoch in den Datenbanken der Sicherheitsbehörden auftauchte, hat dem Vernehmen nach keinen kriminellen Hintergrund, sondern liegt an seiner Beantragung einer waffenrechtlichen Erlaubnis."

Dafür sei immer auch eine Abfrage der Zuverlässigkeit nötig, bei der Bezüge zu Straftaten und Extremismus geprüft werden.

Hamburg: Polizei informiert auf Twitter

Hamburger Stadtteile Groß Borstel, Alsterdorf und Eppendorf zeitweise gesperrt

Die Polizei Hamburg ist im Großeinsatz.
Die Polizei Hamburg ist im Großeinsatz.  © Jonas Walzberg/dpa

Die Polizei wies in der Nacht auf Twitter darauf hin, dass bislang keine gesicherten Informationen zum Tatmotiv vorliegen. "Wir bitten darum, keine ungesicherten Vermutungen zu teilen und/oder Gerüchte zu streuen."

Die Gegend war dennoch weiträumig abgesperrt worden. Unzählige Beamte waren im Einsatz, darunter zahlreiche Spezialkräfte wie SEK und USE.

Die Innenbehörde warnte vor dem Betreten des Stadtteils, explizit die Straße Deelböge und Umgebung. Es drohe "extreme Gefahr", hieß es per Warn-App NINA.

Betroffen waren die Stadtteile Groß Borstel, Alsterdorf und Eppendorf.

"Meiden Sie den Gefahrenbereich. Im Gefahrenbereich verbleiben Sie an ihrem derzeitigen Aufenthaltsort und begeben sich vorläufig nicht ins Freie", hieß es weiter. Telefonate sollten vermieden werden, damit die Leitungen nicht zusammenbrechen.

Am frühen Freitagmorgen konnte die Behörde für Inneres Entwarnung geben.

Schießerei in Hamburg: Spurensicherung vor Ort im Einsatz

Vier Stunden nach den tödlichen Schüssen betrat die Spurensicherung den Tatort, berichtete Freitagmorgen die DPA weiter. Auch um 4.15 Uhr seien sie noch in dem dreistöckigen Gewerbegebäude unterwegs gewesen.

Eine Nachbarin berichtete ebenfalls von mehreren Schüssen bei der Veranstaltung. "Es waren ungefähr vier Schussperioden. In diesen Perioden fielen immer mehrere Schüsse, etwa im Abstand von 20 Sekunden bis einer Minute", zitierte die DPA eine Studentin.

Später seien Menschen von Polizisten an Händen und Füßen auf die Straße getragen worden.

Die Polizei setzte schwerbewaffnete Spezialeinheiten ein.
Die Polizei setzte schwerbewaffnete Spezialeinheiten ein.  © Jonas Walzberg/dpa

Polizei richtet Hinweisportal ein

Wie die Polizei am Freitagmorgen via Twitter mitteilte, dauern die Ermittlungen zu den Hintergründen der Tat weiter an.

Es wurde ein Hinweisportal eingerichtet, auf dem "Fotos und Videos zur Tat oder relevanten Ereignissen in diesem Zusammenhang" hochgeladen werden können.

Für Betroffene oder Angehörige wurde eine telefonische Anlaufstelle eingerichtet.

Ihr erreicht sie unter folgenden Telefonnummern: 040/4286 24393, 040/4286 24386 oder 040 4286 24323.

Oberbürgermeister Peter Tschentscher meldet sich auf Twitter zu Wort

Bürgermeister Peter Tschentscher (57, SPD) schrieb nach der Tat auf Twitter, dass die Situation erschütternd sei.

"Den Angehörigen der Opfer gilt mein tiefes Mitgefühl."

Erstmeldung: 9. März 22.20 Uhr. Zuletzt aktualisiert: 10. März, 12.23 Uhr.

Titelfoto: Jonas Walzberg/dpa

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