Wie Forrest Gump, nur langsamer: Patrick Keller umrundet zu Fuß die Welt

Oldenburg - Patrick Keller (35) hat sich vor gut einem Monat auf den Weg gemacht, um die Welt zu Fuß zu umrunden. Sein stetiger Begleiter: ein Thule-Wagen mit rund 40 Kilogramm Gepäck. Wie er sich schlägt und warum er überhaupt losgelaufen ist, verriet er TAG24 im Gespräch.

Patrick Keller (35) und sein rund 40 Kilogramm schwerer Thule. Wie viel der genau wiegt, weiß er nicht. Hauptsache, er kann ihn noch schieben.
Patrick Keller (35) und sein rund 40 Kilogramm schwerer Thule. Wie viel der genau wiegt, weiß er nicht. Hauptsache, er kann ihn noch schieben.  © Patrick Keller

Zum Zeitpunkt unseres Gesprächs befindet sich der 35-jährige Oldenburger in der Nähe von Jüterbog (Landkreis Teltow-Fläming) irgendwo in einem Wald. "Hier ist wirklich nichts", betonte Patrick. Viel Natur, wenig Netz. Für ein Telefonat hat es glücklicherweise trotzdem gereicht.

Für den Weltenbummler ist es nicht die erste lange Strecke, die er zu Fuß zurücklegt. Den Jakobsweg ist er schon vor vielen Jahren einmal gelaufen.

"Mir ging es mental damals nicht so gut. Ich habe dann das Wandern für mich entdeckt und dass das ziemlich heilend ist." Am Ende der Reise, am Atlantik, kam dann die Idee auf, die Welt zu Fuß zu umrunden.

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Anfang April packte er seinen Thule und machte sich von Oldenburg aus auf den Weg. Ein idealer Zeitpunkt für den 35-Jährigen. "Mein alter Arbeitsvertrag ist quasi ausgelaufen. Ich habe keine Frau oder Kinder, also keine großartigen Verpflichtungen, und dementsprechend konnte ich los."

Knapp 30 Kilometer legt er momentan pro Tag durchschnittlich zurück. "Aber ich würde mir schon wünschen, dass ich irgendwann einen Schnitt von 40+ Kilometer am Tag habe."

Patricks Route auf einer Weltkarte

Diese Route hat sich Patrick grob abgesteckt. Insgesamt seien es ungefähr 85 Länder.
Diese Route hat sich Patrick grob abgesteckt. Insgesamt seien es ungefähr 85 Länder.  © Patrick Keller

Laufen um des Laufens willen

Patrick Keller legt mit seinem Thule durchschnittlich 30 Kilometer am Tag zurück.
Patrick Keller legt mit seinem Thule durchschnittlich 30 Kilometer am Tag zurück.  © Patrick Keller

Patrick läuft in seinem eigenen Tempo, mit einem groben Ziel vor Augen und ohne sich selbst Druck dabei zu machen. Für die Umrundung werde er so etwa sieben bis zehn Jahre brauchen.

"Ich bin jetzt aber auch nicht böse, wenn ich irgendwo mal sage: 'Das Land hier ist es einfach, hier fühlst du dich zu Hause, da bleibe ich' oder: 'Das Laufen ist es nicht mehr.' Das ist für mich keine Zwangsveranstaltung. Ich mache das ja für mich."

Ob er am Ende seiner Reise die Welt auch tatsächlich umrundet hat, steht entsprechend auf einem anderen Blatt.

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Seine ungefähre Route durch etwa 85 Länder hat sich der 35-Jährige auf einer Weltkarte abgesteckt. Eine Wishlist an Ländern, die er unbedingt durchreisen will - Japan, Korea, Vietnam, Thailand, Australien und Neuseeland - hat er auch. Ändern kann sich jederzeit, abhängig von Umständen, alles.

"Es ist kein Wettbewerb gegen mich selbst. Ich mache das Ganze so, wie ich Lust und Laune habe. Das ist der Spaß am Laufen und es verbessert meine mentale Lebensqualität enorm. Das kann ich jetzt schon sagen. Das ist die Hauptmotivation. Es geht mir gut dadurch."

Auch Hilfsmittel wie Flugzeuge, Fähren und Autos sind kein No-Go auf der Reise. "Da bin ich schmerzlos. Das ist ja jetzt kein Rekordversuch. Bitte nicht. Da muss man sich den Gegebenheiten schon realistisch anpassen. Ich weiß auch von Regionen, in denen man zu Fuß oder mit dem Rad gar nicht durchkommt."

Begleitet wird er zwar nicht von einem Reise-Kompagnon, dafür aber von mehr als 19.000 Instagram-Followern. Tendenz stark steigend. Bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass Patricks Social-Media-Karriere eigentlich auch erst mit seinem Reiseantritt vor vier Wochen begann.

Wohnung gekündigt, ein Zurück gibt es aber immer

Patrick zeltet entweder wild, auf Campingplätzen oder kommt bei Freunden unter. Die Schlafplatzsuche bezeichnet er bei seinem Trip als die größte Herausforderung.
Patrick zeltet entweder wild, auf Campingplätzen oder kommt bei Freunden unter. Die Schlafplatzsuche bezeichnet er bei seinem Trip als die größte Herausforderung.  © Patrick Keller

Seine Wohnung gab Patrick für sein Vorhaben auf und ist seitdem bei seinem Vater gemeldet. Arbeitslosengeld erhält der 35-Jährige nicht. Wie er das Abenteuer finanziert?

"Ich habe natürlich Kapital im Vorfeld angespart. Da spreche ich aber nicht so gerne drüber, wie viel das ist. Aber es reicht für die ersten Jahre. Außerdem werde ich von meiner Familie unterstützt. Die würde mich nicht zurückholen, wenn das Geld ausgeht, sondern mir dann auch aushelfen. Da bin ich sehr glücklich drüber und sehr gesegnet."

Künftig erhoffe er sich zudem von dem ein oder anderen Sponsor unterstützt zu werden.

Pro Tag gebe er in Deutschland zurzeit etwa 25 Euro aus, "Deutschland ist recht teuer", so der Weltreisende. Im Mittel wolle er künftig - in anderen Ländern sei es teilweise weitaus preisgünstiger - bei 10 Euro pro Tag landen.

In seinem Thule schiebt er alles, was er während der Reise benötigt, vor sich her. Ein bisschen Kleidung, ein Zelt, Schlafsäcke, Medizin, Ersatzteile, Nahrung ... Wert? Rund 5000 bis 6000 Euro.

Mehr als 19.000 Follower begleiten Patricks Reise auf Instagram

Patrick hat sich auf die Weltreise kaum vorbereitet

Vorbereitet habe er sich auf die Reise kaum. "Bis auf Sachen packen und gucken, wo du lang willst, kann man eigentlich gar nicht so viel vorbereiten. Die Bedingungen ändern sich ständig, wegen des Tempos, das man hat."

Patrick nimmt es so, wie es kommt. Im Juli kehrt er für kurze Zeit in die Heimat zurück. Ein perfekter Moment für ein Follow-up in der TAG24-Redaktion.

Titelfoto: Patrick Keller

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