Abrissarbeiten an umkämpftem Altbau laufen: Dürfen Anwohner im Schutt nach ihren Sachen suchen?
Hamburg - Es ist so weit. Seit 11 Uhr läuft der geplante Abriss des hintere Gebäudeteils des einsturzgefährdeten Hauses in der Holstenstraße in Hamburg-Altona. Diese Entscheidung sowie das Vorgehen sorgt bei den evakuierten Anwohnern für Unmut und Tränen.
Der Grund für den Abriss des Gebäudes in der Holstenstraße 197 sind Risse in der Fassade und die damit verbundene Einsturzgefahr des maroden Anbaus. Nun stehen die Kräne bereit und die Trauer ist groß.
Eine Mutter von zwei Kindern aus dem vierten Stock des einsturzgefährdeten Gebäudes habe innerhalb von nur fünf Minuten ihre Wohnung verlassen müssen. Nicht mal Kleidung für sich oder ihre Kinder habe sie bei dem überstürzten Auszug mitnehmen dürfen, berichtet sie.
Laut Angaben habe das Bezirksamt trotz Zusage keinerlei Informationen zur Bergung der Wertsachen mitgeteilt.
Letztlich habe dann die Bauleitung auf eigene Faust die Initiative ergriffen. Zwei Bauarbeiter hätten in Absprache mit der Polizei das Gebäude betreten und zwei große Tüten mit den wichtigsten Habseligkeiten für die Familie gerettet. Aus Dankbarkeit sei die Mutter vor Ort in Tränen ausgebrochen, berichtet ein Reporter vor Ort.
Alle Bewohner die am Dienstag vor Ort sind, dürften nach jedem Stockwerk, das abgerissen wurde außerdem im Schutt nach ihren Sachen suchen. Dafür wurden offenbar Handschuhe und Schutzwesten verteilt. Auch das könnte laut Angaben der MOPO aber noch unterbunden werden. Der Anwalt der Mieter, die Polizei und sowie Bauarbeiter würden das nun besprechen.
14 Bewohner stehen mit kaum Hab und Gut auf der Straße
Wegen der akuten Gefahrenlage waren bereits Ende Juli 14 Bewohner des fünfstöckigen Altbaus evakuiert worden. Ein Sprecher der Feuerwehr Hamburg bestätigte damals den Vorgang gegenüber TAG24.
Ebenso hatte der Eigentümer erst an diesem Vormittag einen Fachmann beauftragt, der die Schäden begutachtete.
Am Montag demonstrierten nun rund 100 Menschen gegen das Vorgehen und zeigten damit ihre Unterstützung für die evakuierten Anwohner.
Elf Parteien lebten in dem Mehrfamilienhaus in der Holstenstraße - darunter viele WGs, aber auch die alleinerziehende Mutter mit ihren beiden Kindern. Die meisten von ihnen hätten damals ganz abrupt so gut wie alles zurücklassen müssen, so wenig Zeit sei am Tag der Evakuierung gewesen.
So erklärte eine weitere Anwohnerin bereits im Juli: "Ich hatte nur sieben Minuten, um meine Tasche zu packen", berichtete die MOPO.
Erstmeldung um 10.54 Uhr, aktualisiert um 11.56 Uhr.
Titelfoto: News 5 / Fabian Höfig

