Abrissarbeiten an umkämpftem Altbau laufen: Persönliche Sachen im Schutt begraben - kann ein Roboter helfen?
Hamburg - Seit 11 Uhr läuft der geplante Abriss des hinteren Gebäudeteils des einsturzgefährdeten Hauses in der Holstenstraße in Hamburg-Altona. Diese Entscheidung sowie das Vorgehen sorgt bei den evakuierten Anwohnern für Unmut und Tränen. Bereits drei Stockwerke wurde abgetragen. Die Arbeiten sollen noch bis etwa 18 Uhr andauern.
Die Kräne bewegen sich und reißen die Wände ein. Das sorgt für große Trauer bei den Anwohnern.
Eine Mutter von zwei Kindern aus dem vierten Stock habe innerhalb von nur fünf Minuten ihre Wohnung verlassen müssen. Nicht mal Kleidung für sich oder ihre Kinder habe sie bei dem überstürzten Auszug mitnehmen dürfen, berichtet sie.
Laut ihren Angaben habe das Bezirksamt trotz Zusage keinerlei Informationen zur Bergung der Wertsachen mitgeteilt.
Letztlich habe dann die Bauleitung auf eigene Faust die Initiative ergriffen. Zwei Bauarbeiter hätten in Absprache mit der Polizei das Gebäude betreten und zwei große Tüten mit den wichtigsten Habseligkeiten für die Familie gerettet. Aus Dankbarkeit sei die Mutter vor Ort in Tränen ausgebrochen, berichtet ein Reporter vor Ort.
Inzwischen herrscht wohl außerdem eine weitere traurige Gewissheit: Es reiche nicht, nur die Rückwand des betroffenen Hauses zu entfernen. Der gesamte hintere Gebäudeteil müsse abgerissen werden. Ein weiterer Tiefschlag für die Anwohner. Denn: die Hoffnung auf eine Last-Minute-Bergung der persönlichen Sachen schwindet immer weiter. Einiges sei schließlich schon zerdrückt worden und liege längst in Bauschutt. "Wir sind alle am Boden zerstört", so eine Anwohnerin gegenüber der Medien vor Ort.
Ein Roboter scheint nun den letzten Funken Hoffnung zu erhalten. Das 12 Kilogramm schwere Gerät der Firma "robo4rent" mit integrierter Kamera solle zehn Dinge pro Wohnung aus den Trümmern holen. Die Anwohner hätten das Unternehmen engagiert. Der Roboter könne allerdings nur rund ein Kilo tragen, weshalb mehrere Anläufe nötig wären. Auf der Liste stünden unter anderem Schallplatten, eine Geburtsurkunde, ein Fotoalbum und Berufskleidung. Wann er zum Einsatz kommen soll, sei noch unklar.
14 Bewohner stehen mit kaum Hab und Gut auf der Straße
Der Grund für den Abriss des Gebäudes in der Holstenstraße 197 sind Risse in der Fassade und die damit verbundene Einsturzgefahr des maroden Anbaus.
Wegen der akuten Gefahrenlage waren bereits Ende Juli 14 Bewohner des fünfstöckigen Altbaus evakuiert worden. Ein Sprecher der Feuerwehr Hamburg bestätigte damals den Vorgang gegenüber TAG24.
Ebenso hatte der Eigentümer erst an diesem Vormittag einen Fachmann beauftragt, der die Schäden begutachtete.
Am Montag demonstrierten nun rund 100 Menschen gegen das Vorgehen und zeigten damit ihre Unterstützung für die evakuierten Anwohner.
Elf Parteien lebten in dem Mehrfamilienhaus in der Holstenstraße - darunter viele WGs, aber auch die alleinerziehende Mutter mit ihren beiden Kindern. Die meisten von ihnen hätten damals ganz abrupt so gut wie alles zurücklassen müssen, so wenig Zeit sei am Tag der Evakuierung gewesen.
So erklärte eine weitere Anwohnerin bereits im Juli: "Ich hatte nur sieben Minuten, um meine Tasche zu packen", berichtete die MOPO.
Erstmeldung um 10.54 Uhr, aktualisiert um 14.46Uhr.
Titelfoto: News 5 / Fabian Höfig

