Abrissarbeiten an umkämpftem Altbau zunächst beendet: Persönliche Sachen im Schutt begraben

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Hamburg - Seit 11 Uhr lief der geplante Abriss des hinteren Gebäudeteils des einsturzgefährdeten Hauses in der Holstenstraße in Hamburg-Altona. Diese Entscheidung sowie das Vorgehen sorgte bei den evakuierten Anwohnern für Unmut und Tränen. Bereits drei Stockwerke wurde abgetragen. Am Dienstagabend wurden die Arbeiten beendet. Am Mittwoch soll ein Baustatiker prüfen, ob auch der vordere Teil akut einsturzgefährdet ist.

Anwohner der Holstenstraße zeigten sich solidarisch mit den Opfern des einsturzgefährdeten Gebäudes.
Anwohner der Holstenstraße zeigten sich solidarisch mit den Opfern des einsturzgefährdeten Gebäudes.  © NEWS5 / Fabian Höfig

Die Kräne bewegten sich und rissen die Wände ein. Das sorgte für große Trauer bei den Anwohnern.

Eine Mutter von zwei Kindern aus dem vierten Stock habe innerhalb von nur fünf Minuten ihre Wohnung verlassen müssen. Nicht mal Kleidung für sich oder ihre Kinder habe sie bei dem überstürzten Auszug mitnehmen dürfen, berichtete sie.

Laut ihren Angaben habe das Bezirksamt trotz Zusage keinerlei Informationen zur Bergung der Wertsachen mitgeteilt.

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Letztlich habe dann die Bauleitung auf eigene Faust die Initiative ergriffen. Zwei Bauarbeiter hätten in Absprache mit der Polizei das Gebäude betreten und zwei große Tüten mit den wichtigsten Habseligkeiten für die Familie gerettet. Aus Dankbarkeit sei die Mutter vor Ort in Tränen ausgebrochen, berichtete ein Reporter vor Ort.

Danach herrschte wohl außerdem eine weitere traurige Gewissheit: Es reiche nicht, nur die Rückwand des betroffenen Hauses zu entfernen. Der gesamte hintere Gebäudeteil müsse abgerissen werden. Ein weiterer Tiefschlag für die Anwohner. Denn: die Hoffnung auf eine Last-Minute-Bergung der persönlichen Sachen schwand immer weiter. Einiges sei schließlich schon zerdrückt worden und liege längst in Bauschutt. "Wir sind alle am Boden zerstört", so eine Anwohnerin gegenüber der Medien vor Ort.

Ein Roboter schien den letzten Funken Hoffnung zu erhalten. Das 12 Kilogramm schwere Gerät der Firma "robo4rent" mit integrierter Kamera sollte zehn Dinge pro Wohnung aus den Trümmern holen. Die Anwohner hätten das Unternehmen engagiert. Der Roboter könne allerdings nur rund ein Kilo tragen, weshalb mehrere Anläufe nötig wären. Auf der Liste stünden unter anderem Schallplatten, eine Geburtsurkunde, ein Fotoalbum und Berufskleidung. Wann er zum Einsatz kommen soll, war noch unklar.

Der Abriss begann am Dienstagvormittag.
Der Abriss begann am Dienstagvormittag.  © News 5 / Fabian Höfig
Am Montag demonstrierten rund 100 Menschen gegen das Vorgehen an dem Altbau in der Holstenstraße 197.
Am Montag demonstrierten rund 100 Menschen gegen das Vorgehen an dem Altbau in der Holstenstraße 197.  © Lilli Förter/dpa

14 Bewohner stehen mit kaum Hab und Gut auf der Straße

Wegen Rissen in der Fassade und der damit verbundenen Einsturzgefahr musste das Wohnhaus an der Holstenstraße 197 abgerissen werden.
Wegen Rissen in der Fassade und der damit verbundenen Einsturzgefahr musste das Wohnhaus an der Holstenstraße 197 abgerissen werden.  © NEWS5/Fabian Höfig

Der Grund für den Abriss des Gebäudes in der Holstenstraße 197 waren Risse in der Fassade und die damit verbundene Einsturzgefahr des maroden Anbaus.

Wegen der akuten Gefahrenlage waren bereits Ende Juli 14 Bewohner des fünfstöckigen Altbaus evakuiert worden. Ein Sprecher der Feuerwehr Hamburg bestätigte damals den Vorgang gegenüber TAG24.

Ebenso hatte der Eigentümer erst an diesem Vormittag einen Fachmann beauftragt, der die Schäden begutachtete.

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Am Montag demonstrierten nun rund 100 Menschen gegen das Vorgehen und zeigten damit ihre Unterstützung für die evakuierten Anwohner.

Elf Parteien lebten in dem Mehrfamilienhaus in der Holstenstraße - darunter viele WGs, aber auch die alleinerziehende Mutter mit ihren beiden Kindern. Die meisten von ihnen hätten damals ganz abrupt so gut wie alles zurücklassen müssen, so wenig Zeit sei am Tag der Evakuierung gewesen.

So erklärte eine weitere Anwohnerin bereits im Juli: "Ich hatte nur sieben Minuten, um meine Tasche zu packen", berichtete die MOPO.

Erstmeldung um 10.54 Uhr, aktualisiert um 19.58 Uhr.

Titelfoto: News 5 / Fabian Höfig

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