Hamburg - Auf dem Heiligengeistfeld in Hamburg ist am Donnerstag ein Streit zwischen Aktivisten der Tierschutzorganisation "Vier Pfoten" und Mitarbeitern des "Circus Krone" eskaliert.
Wie ein Sprecher der Polizei gegenüber TAG24 bestätigte, wurden die Einsatzkräfte gegen 13 Uhr zum Gelände des Zirkus alarmiert.
Demnach hätten drei Personen, unter anderem auch mit Klettergeschirr ausgestattet, das Gelände betreten. Mitarbeiter bemerkten die Aktivisten und griffen ein.
Während der Sprecher lediglich von einer "körperlichen Auseinandersetzung" sprach, ging Sven Wirth von der Organisation "Vier Pfoten" im Gespräch mit TAG24 deutlich weiter - er erhob schwerwiegende Anschuldigungen gegen die Zirkus-Mitarbeiter.
Diese sollen den Aktivisten, die ein Banner gegen Tierleid aufhängen wollten, auf die Traverse des großen Zelts gefolgt sein und in geschätzten 15 Metern Höhe auf das Trio eingeschlagen, eingetreten und die Aktivisten mitunter bewusstlos gewürgt haben!
Zudem hätten die Zirkus-Mitarbeiter die Sicherungen der Aktivisten gelöst und sie anschließend geschubst. "Sie haben Leute in Lebensgefahr gebracht!", schilderte Wirth. TAG24 liegen Aufnahmen des Vorfalls vor, die zu diesen Angaben passen.
"Vier Pfoten" zeigt sich erschüttert: Aktivist spricht von "roher Gewalt"
Während Polizei und Feuerwehr von einem Verletzten sprachen, seien laut Wirth zwei der drei Aktivisten ins Krankenhaus gekommen. Inzwischen hätten die Betroffenen die Klinik wieder verlassen können.
"Wir sind erschüttert, wie mit roher Gewalt gegen einen friedlichen Protest vorgegangen und damit versucht wurde, berechtigte Kritik an Tierleid mundtot zu machen", unterstrich Wirth.
Die Polizei hat mehrere wechselseitige Strafanzeigen aufgenommen, unter anderem wegen Hausfriedensbruchs und Körperverletzungsdelikten.
"Circus Krone" steht in der Kritik, da in der Manege auch Tiere zum Einsatz kommen. Die Jugendgruppe des Hamburger Tierschutzvereins von 1841 e. V. hatte daher am Donnerstag ab 17 Uhr zu einer friedlichen Demo gegen Tiere im Zirkus aufgerufen.
"Circus Krone" wehrt sich mit deutlichen Worten gegen die Vorwürfe
In einer Stellungnahme zu dem Vorfall teilte der "Circus Krone" mit: "Zu keinem Zeitpunkt haben unsere Mitarbeiter den Aktivisten körperlichen Schaden zugefügt. Anderslautende Darstellungen weisen wir zurück."
Gleichzeitig erhoben die Zirkus-Verantwortlichen ihrerseits schwere Vorwürfe. Demnach hätten die Aktivisten "die Grenzen eines verantwortungsvollen und friedlichen Protests deutlich überschritten". Sie hätten nicht nur sich selbst, sondern auch die Zirkus-Mitarbeiter in Lebensgefahr gebracht und auch das Wohl der Tiere gefährdet.
Abgesehen davon entbehre der Protest an sich jeder Grundlage. So habe es ausgerechnet zum Zeitpunkt des Vorfalls eine unangekündigte Kontrolle der Tierhaltung des Zirkus gegeben. "Die Kontrolle verlief ohne Beanstandungen. Unsere Tierhaltung und die Versorgung unserer Tiere ist hervorragend", betonten die Verantwortlichen.
Abschießend hieß es in dem Statement: "Unser besonderer Dank gilt (...) unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die in dieser außergewöhnlichen und gefährlichen Situation sofort reagiert haben. Sie haben Verantwortung übernommen und sich selbst in eine nicht ungefährliche Lage begeben, um die Situation unter Kontrolle zu bringen und Schlimmeres zu verhindern."
Erstmeldung: 16.16 Uhr, zuletzt aktualisiert: 19.16 Uhr