Ehemalige Tagesschau-Sprecherin Dagmar Berghoff wird 80

Hamburg - Dagmar Berghoff hat Fernsehgeschichte geschrieben. Als erste Frau verlas sie die Nachrichten der ARD-"Tagesschau". Jetzt feiert sie ihren 80. Geburtstag.

Die ehemalige "Miss Tagesschau" Dagmar Berghoff feiert am 25. Januar ihren 80. Geburtstag.
Die ehemalige "Miss Tagesschau" Dagmar Berghoff feiert am 25. Januar ihren 80. Geburtstag.  © Marcus Brandt/dpa

Sie blieb für 23 Jahre bis zu ihrem Abschied am Silvesterabend 1999 eine beliebte und geschätzte Sprecherin der meistgesehenen Sendung im deutschen Fernsehen.

Jahrzehntelang war die souveräne blonde Hamburgerin auch an anderer Stelle im TV zu sehen.

Etwa war sie von 1982 bis 1984 Gastgeberin der "NDR Talk Show" oder führte von 1984 bis 1992 mit Max Schautzer (82) durchs "Wunschkonzert" der ARD. Eine Publikums-"Goldene Kamera" und zwei "Bambis" würdigen ihr Werk.

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Am Mittwoch (25. Januar) feiert sie ihren 80. Geburtstag.

Ex-"Miss Tagesschau" Von Feministinnen wenig als Vorreiterin angesehen

Die damalige "Tagesschau"-Sprecherin Dagmar Berghoff 1997 in Berlin.
Die damalige "Tagesschau"-Sprecherin Dagmar Berghoff 1997 in Berlin.  © Jens Kalaene/dpa

Gecastet wurde sie vom damaligen Chefsprecher Karl-Heinz Köpcke (†68, 1922-1991). Der stand auch bei ihrem ersten Auftritt in der 20-Uhr-Ausgabe dicht neben ihr.

"Ich dachte, das machen die immer so. Aber er hat wohl gemeint, dass ich als Frau vielleicht doch die Nerven verliere und zusammenbreche", erinnert sich Berghoff lächelnd. Als Quotenfrau habe sie sich nie gefühlt, das Wort habe es noch nicht gegeben.

"Von Feministinnen wurde ich ja ein wenig als Vorreiterin eingenommen. Doch das war nie meine Intention. Ich bekam nur einen tollen Job angeboten - und den habe ich gemacht."

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Dennoch sieht sich die Frau, die mit 47 Jahren den Arzt Peter Matthaes geheiratet hat, auf der Seite der Frauenrechtlerinnen – aber eher entspannt.

Dagmar Bergoff: Mediendame mit erotisch-rauchiger Stimme

Die damalige "Tagesschau"-Sprecherin, Dagmar Berghoff, aufgenommen im Kreise ihrer Kollegen, (l-r) Werner Veigel (†66), Joachim Brauner (85), Wilhelm Wieben (†84) und Karl-Heinz Köpcke (†68).
Die damalige "Tagesschau"-Sprecherin, Dagmar Berghoff, aufgenommen im Kreise ihrer Kollegen, (l-r) Werner Veigel (†66), Joachim Brauner (85), Wilhelm Wieben (†84) und Karl-Heinz Köpcke (†68).  © DPA

"Ich glaube, im Laufe der Zeit sind meine Widerstandskräfte in mir gewachsen", sagt Berghoff beim Interview der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in ihrer mit klassischer Kunst und Antiquitäten stilvoll eingerichteten Wohnung an einem Kanal der Hansestadt.

Die Mediendame mit der erotisch-rauchigen Stimme, die Kaffee und Kekse serviert, antwortet sachlich und professionell – und wirkt zugleich aufrichtig und menschlich. Besonders am Widerstand des Vaters, der eine kommende Chefsekretärin in ihr sah, sei sie gereift, sagt Berghoff.

Denn ihr Berufswunsch war Schauspielerin, seit sie mit neun Jahren gegen zehn Pfennig Eintritt selbstverfasste Stücke aufgeführt hatte.

So schrieb sie mit 15 Jahren heimlich dem Schauspielstar Joseph Offenbach (†66, 1904-1971, "Die Unverbesserlichen") - und sprach ihm vor.

Ex-Tagesschau-Sprecherin Berghoff: Der Liebe wegen zurück nach Hamburg

Die ehemalige Tagesschau-Sprecherin Dagmar Berghoff hat es sich für einen Fototermin bequem gemacht.
Die ehemalige Tagesschau-Sprecherin Dagmar Berghoff hat es sich für einen Fototermin bequem gemacht.  © Marcus Brandt/dpa

Offenbach fand sie begabt. Also ging Berghoff nach dem Abitur 1962 als Au-pair nach London und Paris, um Sprachen zu lernen.

Und um dann mit dem Ziel einer Bühnenlaufbahn die staatliche Schauspielschule in Hamburg zu besuchen.

Mit Putzen und Post austragen, Geschirrabwasch nachts im Bahnhof sowie in einer Käsefabrik und hinter dem Tresen einer Bar verdiente sie sich ihren Lebensunterhalt. Doch nach ihrem Examen kam vieles anders als geplant.

Trotz eines Angebots an das Theater in Münster machte Berghoff zunächst eine Sprecherkarriere beim damaligen Südwestfunk (SWF) in Baden-Baden – und ging 1975 der Liebe wegen zurück nach Hamburg.

Dort kam bald ein Anruf vom Norddeutschen Rundfunk (NDR) – der Rest ist Fernsehgeschichte.

Titelfoto: Marcus Brandt/dpa

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