Hamburger Männerchor entwirft eigenes Gebäck: Diese Kekse retten Leben

Hamburg - Ganz im Sinne der Weihnacht hat der Männerchor "Hamburger Goldkehlchen" zusammen mit der Bäckerei "Braaker Mühle" zugunsten der "Herzretter-Initiative" ein schmackhaftes Weihnachtsgebäck entwickelt, das ganz nebenbei auch noch Leben rettet. Bei der offiziellen Vorstellung der "GoldKekschen" beim Charity-Backen am Mittwochabend hat TAG24 nicht nur die leckeren Kekse verköstigt, sondern auch die bewegende Geschichte hinter dem Projekt erfahren.

Malte Claussen (41) erlitt im Juni einen Herzinfarkt. Dass er ohne Folgeschäden am Mittwoch die "GoldKekschen" (verkaufsfertige Kekse lagen bereits in der Auslage) vorstellen konnte, verdanke er allein wissenden Ersthelfern.
Malte Claussen (41) erlitt im Juni einen Herzinfarkt. Dass er ohne Folgeschäden am Mittwoch die "GoldKekschen" (verkaufsfertige Kekse lagen bereits in der Auslage) vorstellen konnte, verdanke er allein wissenden Ersthelfern.  © Madita Eggers/TAG24

Ganz unerwartet ist Malte Claussen (41) im Juni beim Joggen um die Alster zusammengesackt, ohne jegliche Vorerkrankungen erlitt der zweifache Vater einen Herzinfarkt. Überlebt habe er nur dank vier Ersthelfern, wie das Mitglied der "Hamburger Goldkehlchen" im Gespräch mit TAG24 erzählte.

"Ich bin heute nur hier, weil diese wunderbaren Lebensretter sofort die richtigen Maßnahmen getroffen haben und mich mit einer Herz-Rhythmus-Massage am Leben gehalten haben, bis der Rettungswagen kam!"

Und deswegen liegt dem Hobby-Sänger auch die "Herzretter-Initiative" wortwörtlich am Herzen. "Unser Ziel ist, Wissen über die Laienreanimation zu generieren, also was zu tun ist, wenn jemand mit einem akuten Herzversagen dabei ist zu versterben", sagte Dr. Malte Buchholz, 2. Vorsitzender des ehrenamtlichen Vereins, am Mittwoch gegenüber TAG24.

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Zusammen mit seinen Chor-Kollegen hat es sich Malte Claussen zur Aufgabe gemacht, seine Geschichte zu erzählen und dadurch Spenden für die Initiative zu sammeln. "Unsere Idee ist schon seit 2016, auch immer wieder etwas an unsere Community zurückzugeben und unser breites Netzwerk in Hamburg zu nutzen, um Möglichkeiten für den guten Zweck zu generieren."

Wobei die Herzretter natürlich ein sehr persönliches Anliegen von ihm sind: "Es kann jeden treffen! Es gibt nicht die eine Untersuchung, nach der man raus ist und sagen kann, man wird nie Herzprobleme haben", so der 41-Jährige. "Aber genauso kann jeder oder jede dazu beitragen, sowohl auf der gebenden als auch auf der möglichen Empfängerseite, Menschenleben zu retten!"

Herzretter-Initiative von Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher geehrt

Alexander B. Kolbe: "Die 'GoldKekse' gehen ins, wenn nicht sogar ans Herz!"

Alexander B. Kolbe, Leiter von Marketing und Kommunikation bei der "Braaker Mühle", kreierte beim Live-Backen seine ganz eigenen Varianten der "GoldKekschen".
Alexander B. Kolbe, Leiter von Marketing und Kommunikation bei der "Braaker Mühle", kreierte beim Live-Backen seine ganz eigenen Varianten der "GoldKekschen".  © Madita Eggers/TAG24

Die Idee, ein eigenes Gebäck in Kooperation mit der Braaker Mühle zu kreieren, ist laut Alexander B. Kolbe, Leiter von Marketing und Kommunikation, dann aber doch eher zufällig entstanden.

"Wir als Braaker Mühle fungieren seit einiger Zeit als 'Deine Weihnachtsbäckerei' und haben festgestellt, dass du dabei sofort das Lied von Rolf Zuckowski im Ohr hast", so Kolbe im Gespräch mit TAG24. "Und auf der Suche nach einem musikalischen Act sind wir auf die Goldkehlchen gestoßen, die sogar schon mit Zuckowski zusammen gesungen haben."

Auch am Mittwoch stimmten die Chor-Mitglieder das ein oder andere Weihnachtslied als Soundtrack zum Backen an, auch wenn sie eigentlich von sich behaupten, gar nicht singen zu können.

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Beim ersten Treffen sei dann aufgrund von Maltes Engagement für die Herzretter die Idee mit den "GoldKekschen" entstanden. Für die Betreiber der "Braaker Mühle" sind Charity-Projekte ebenso eine Herzensangelegenheit wie für die GoldKehlchen. "Wir denken immer darüber nach, wie wir uns über unsere Produkte hinaus noch einsetzen können!", sagte Konditor Tim Lessau gegenüber TAG24.

"Weihnachten ist das Fest der Liebe, und Liebe geht durch den Magen, und bei der Braaker Mühle geht sie durch den Gaumen, und mit den Goldkehlchen zusammen geht sie mal ganz direkt ins, wenn nicht sogar ans Herz", betonte Kolbe ergänzend.

Die Mitglieder des Männerchors "Hamburger GoldKehlchen" hatten sichtlich Spaß beim Backen ihrer eigenen Kekse.
Die Mitglieder des Männerchors "Hamburger GoldKehlchen" hatten sichtlich Spaß beim Backen ihrer eigenen Kekse.  © Florian Laeufer

60.000 Herzstillstände pro Jahr in Deutschland: Den Notruf abzusetzen reicht nicht

Dr. Malte Buchholz und Nicole Kolbe von der "Herzretter-Initiative".
Dr. Malte Buchholz und Nicole Kolbe von der "Herzretter-Initiative".  © Madita Eggers/TAG24

Die runde Form des Gebäcks ist dem Logo des Männerchors nachempfunden. Optisch erinnern die Kekse auch ein bisschen an Glücks-Taler, ebenso eine passende Symbolik für das Projekt.

"Unser Motto ist 'Leben retten ist kinderleicht'", so Dr. Malte Buchholz. Und deswegen fangen die Herzretter mit ihren Schulungen auch schon direkt im Kindesalter an: "Alle Kinder gehen durch die Schulen, dort erwischt man sie alle!"

Das benötigte Wissen für Ersthelfer müsse stetig in Erinnerung gerufen werden und nicht nur einmal zum Erwerb des Führerscheins vermittelt werden. "Dann wird es hoffentlich irgendwann so selbstverständlich wie Fahrradfahren!"

Rund 60.000 Menschen mit Herzstillstände werden in Deutschland jedes Jahr verzeichnet, wovon laut Bauchholz nur zehn Prozent das Krankenhaus wieder lebend verlassen. Gerade bei Herzinfarkten zähle jede Minute.

"Wenn es zu einem Herzstillstand kommt, hat das Gehirn genau drei Minuten, bevor es anfängt, irreversible Schäden zu nehmen, und der Rettungsdienst braucht im Schnitt acht bis 15 Minuten, um vor Ort zu sein!" Das Wissen, dass es nicht reicht, den Notruf abzusetzen, müsse noch viel mehr in der Gesellschaft verankert und Hemmschwellen abgebaut werden.

"Die meisten haben Angst, etwas falsch zu machen, das fängt oft schon bei der Seitenlage an. Welches Bein wird wie angewinkelt, keiner erinnert sich mehr. Dabei ist das total egal, einfach auf die Seite legen und wenn derjenige atmet, ist gut, und wenn man sich nicht sicher ist, dann fängt man an zu reanimieren."

Mindestens bis Ende des Jahres können die "GoldKekschen" erworben werden, so Kolbe.
Mindestens bis Ende des Jahres können die "GoldKekschen" erworben werden, so Kolbe.  © Madita Eggers/TAG24

Männerchor und Konditorei entwickeln Keks mit Suchtgefahr

Konditor Tim Lessau backte am Mittwoch selbst fleißig mit.
Konditor Tim Lessau backte am Mittwoch selbst fleißig mit.  © Madita Eggers/TAG24

Die Kooperation mit den Hamburger GoldKehlchen und damit mit den Herzrettern habe laut Lessau auch direkt im eigenen Unternehmen für ein Umdenken gesorgt: "Ich glaube - und das muss ich jetzt so ehrlich sagen - dass wir auf so einen Notfall (noch) nicht genügend vorbereitet sind."

Die eigenen Erkenntnisse sollen jetzt aber schnellstmöglich mithilfe des Vereins aufgefrischt werden. Und natürlich wird auch außerhalb der eigenen vier Wände auf viel Aufmerksamkeit für das Projekt gehofft.

Die "Hamburger GoldKekschen" sind ab sofort in allen Fachgeschäften und im Online-Shop der Braaker Mühle verfügbar. 25 Cent pro verkaufte 100 Gramm gehen an die Herzretter-Initiative.

Geschmacklich basieren die Kekse passend zur Jahreszeit auf einem "klassischen Spekulatius-Keks mit einem zarten Biss", so Lessau. "Der am Ende des Tages einfach süchtig macht. Aber ist ja für einen guten Zweck, also alles gut (lacht)!"

Titelfoto: Madita Eggers/TAG24, Florian Laeufer

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