Ist der Wolf aus Hamburg eine Gefahr für die Bevölkerung? Expertin fordert mehr Aufklärung

Hamburg - Knapp eine Woche nach dem Angriff auf eine Frau in Hamburg ist der Wolf wieder ausgewildert worden. Wolfsexpertin Tanja Askani fordert im Umgang mit solchen Ereignissen mehr Aufklärung.

Tanja Askani fand in der Arbeit mit Wölfen ihre Berufung.
Tanja Askani fand in der Arbeit mit Wölfen ihre Berufung.  © Liba Radová

Der Aufschrei war groß, als das Tier in der vergangenen Woche eine Frau verletzte, die dem verängstigten Tier laut Umweltbehörde durch eine gläserne Automatiktür aus einer Einkaufspassage helfen wollte.

Am Ostersonntag wurde der Wolf nun ausgewildert. Ganz wohl war Hamburgs Umweltsenatorin Katharina Fegebank (49, Grüne) dabei offenbar auch nicht. Die Politikerin stellte schon in der vergangenen Woche die Frage, ob der Wolf wohl ein Wiederholungstäter sein könnte.

Askani, die für die Wölfe im Wildpark Lüneburger Heide zuständig ist und 1992 das erste Mal einen Wolfswelpen in den Armen hielt, hält das für unwahrscheinlich.

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"Solche Situationen entstehen in der Regel aus einer extremen Stress- und Ausnahmesituation heraus – nicht, weil ein Tier 'Hemmungen verloren' hat", so ihre Einschätzung. Die Expertin betont aber, dass sich ihre Einschätzung auf die bisher veröffentlichten Informationen stütze.

"Wölfe behalten ihre natürliche Distanz zum Menschen. Entscheidend ist der Kontext: Enge, Bedrängung, Überforderung. Fällt dieser weg, zeigt das Tier in der Regel wieder sein normales, vermeidendes Verhalten", sagt Askani.

Expertin kann Angst der Bevölkerung nachvollziehen

Das Tier landete in einer Auffangstation, wurde am Sonntag aber wieder ausgewildert.
Das Tier landete in einer Auffangstation, wurde am Sonntag aber wieder ausgewildert.  © Umweltbehörde Hamburg/dpa

Die Falknerin hält es für sehr wahrscheinlich, dass sich der Wolf schlicht in die Innenstadt verirrt hat. "Gerade junge oder unerfahrene Tiere können Orientierungsfehler machen und plötzlich in völlig ungeeigneten Lebensräumen landen", sagt die Hanstedterin.

Eine Großstadt bedeute für einen Wolf enormen Stress. Lärm, Enge, Menschen, Verkehr - all das führe zu einer massiven Reizüberflutung, die Panikreaktionen auslösen könne.

Die durch das Ereignis entstandene Angst in der Bevölkerung kann sie zwar nachvollziehen, sie basiere aber oft auf Unsicherheit und fehlender Erfahrung im Umgang mit Wildtieren.

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"Wölfe greifen Menschen nicht gezielt an. Solche Vorfälle entstehen aus absoluten Ausnahmesituationen heraus. Umso wichtiger ist es, sachlich aufzuklären und differenziert auf solche Ereignisse zu blicken", fordert Askani.

Ob sich künftig häufiger Wölfe in Großstädte verirren, lasse sich pauschal nicht sagen. Ausschließen lassen sich solche Ereignisse laut der Expertin jedenfalls nicht.

Askanis Rat bei der Begegnung mit einem Wildtier: "Abstand halten, Ruhe bewahren, das Tier nicht bedrängen und keine Kontaktversuche unternehmen. Ein Wildtier braucht vor allem die Möglichkeit, selbstständig einen Ausweg zu finden."

Titelfoto: Liba Radová

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