"Uber" gegen kleinen Unverpackt-Laden "Uver": Darf der Einzelhändler seinen Namen behalten?

Greifswald - Es bahnte sich an wie der biblische Kampf des Riesen Goliath gegen den kleinen David. In diesem Fall der Milliarden-Konzern "Uber" gegen den nachhaltigen Einzelhändler "Uver", ein Unverpacktladen aus Greifswald im Nordosten von Mecklenburg-Vorpommern. Worum es geht? Den vermeintlich ähnlichen Namen ...

V.l.n.r.: die drei "Uver"-Geschäftsführer Marcus Schaumburg-Müller, Esther Strohmer und Philippe Schäfer.
V.l.n.r.: die drei "Uver"-Geschäftsführer Marcus Schaumburg-Müller, Esther Strohmer und Philippe Schäfer.  © Maria Herzog | herzogfotografie.de

Alles begann mit einem Schreiben einer Münchener Rechtsanwaltskanzlei, die im Namen von "Uber San Francisco" Anspruch auf Markenrechtsverletzung in Wort und Bildmarke anmeldete. "Uver" wehrte sich und ging mit dem Fall an die Öffentlichkeit.

Ein Fall, der nicht nur das Gemüt von Stand-up-Comedian Moritz Neumeier (35) erhitzte. Dank einer Spendenaktion des Einzelhändlers, um die anstehenden Anwaltskosten zu stemmen, und der Unterstützung des Promis ging "Uver" viral.

In kürzester Zeit war das Spendenziel in Höhe von 2000 Euro erreicht und die ersten Anwaltskosten gedeckt. Das war im Oktober vergangenen Jahres. Aber wie ging es weiter?

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Das erklärte einer der drei "Uver"-Geschäftsführer, Marcus Schaumburg-Müller, TAG24 im Gespräch.

Der Druck gegenüber "Uber" stieg, erinnerte er sich. Auch die SPD-Bundestagsabgeordnete Anna Kassautzki (29) mischte sich ein und kontaktierte "Uber".

"Die Sympathie der Gesellschaft war sehr hoch", so Schaumburg-Müller.

"Uber" zeigt sich lösungsorientiert

"Uber" meldete sich via Instagram bei "Uver".
"Uber" meldete sich via Instagram bei "Uver".  © Screenshot/Instagram/unverpackt_am_meer

"Uber" reagierte via Instagram und kommentierte unter einem Post des Unverpacktladens, in dem der Fall geschildert wurde: "Hallo, wir haben davon gehört. Wir melden uns bei euch mit einem Vorschlag."

Der Unverpacktladen hielt sich seither in der Öffentlichkeit zurück und die Presse größtenteils heraus. Schließlich zeigte sich "Uber" gesprächsbereit. Das wollte man sich nicht verspaßen.

Sogar ein von "Extra 3" produzierter satirischer Beitrag wurde in der Folge lieber kurz vor Ausstrahlung noch abgeblasen. Denn: Das Unternehmen steht nicht nur für Nachhaltigkeit, sondern auch für soziales Unternehmertum. Und das heißt eben auch, nicht bei jeder Gelegenheit einen Rechtsstreit vom Zaun zu brechen.

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Vor Gericht landete der Konflikt um den Namen bislang noch nicht.

Kein einfacher Start für den noch recht jungen "Unverpacktladen"

"Uver"-Geschäftsführer Marcus Schaumburg-Müller sprach mit TAG24 über den aktuellen Stand der Dinge.
"Uver"-Geschäftsführer Marcus Schaumburg-Müller sprach mit TAG24 über den aktuellen Stand der Dinge.  © Maria Herzog | herzogfotografie.de

Nun will man sich einigen. Aber wie? Der Prozess dauert an. Die Anwaltskosten werden steigen, das scheint ziemlich sicher zu sein. Trotz aller Friedlichkeit.

"Es läuft ein offizielles Widerspruchsverfahren beim deutschen Marken- und Patentamt von 'Uber' gegen die Eintragung von 'Uver'", erklärte Marcus weiter. Da bislang noch keine Lösung gefunden werden konnte, sei dieser Widerspruch auch noch mal verlängert worden. "Aber ich empfinde den Umgang als auf Augenhöhe."

Nun gebe es mehrere Möglichkeiten: "Uber" und "Uver" einigen sich, "Uver" geht vor Gericht doch noch durch alle Instanzen oder firmiert um. Die letzten beiden Optionen wären jedoch mit hohen Kosten verbunden und vielleicht auch nicht für "Uver" stemmbar. Die Marktmacht sei grundsätzlich auf der Seite des Stärkeren. Dem, der mehr Geld hat.

Kein einfacher Start für den noch recht jungen "Unverpacktladen" in der harten Geschäftswelt. "Wir sind mit einem ganz anderen Mindset da rangegangen. Dieses soziale Miteinander hätten wir auch gerne in der Geschäftswelt wiedergesehen."

Uver versus Uber: "Man kann sich nicht vor allen 'Angriffen' schützen"

Ob sie vielleicht auch ein bisschen gutgläubig waren? "Naivität, lassen wir es so stehen. Aber ich glaube, man kann sich so oder so nicht vor allen 'Angriffen' schützen. Selbst wenn wir jetzt super vorbereitet wären, sind auch Großkonzerne permanent in der Situation, dass sie Rechtsstreitigkeiten ausgesetzt sind. Und die haben große Rechtsabteilungen, dennoch kann man das nicht zu 100 Prozent absichern.

Wir würden uns weiterhin wünschen, [dass] sich jeder auf sein eigenes Geschäftsmodell konzentriert und versucht, mit dem Produkt zu überzeugen und mit der Idee und der Vision, und nicht [...], dass man versucht, andere kaputtzumachen."

Sie selbst wollen ihren Weg weitergehen. Lieber sprechen als mit Anwälten drohen. Aber immerhin: Marketingtechnisch hat sich der "Uber/Uver"-Konflikt ein wenig gelohnt. Bekannter als zuvor sind sie allemal. Mehr Kunden kämen durch den kleinen Skandal aber nicht in den Laden.

Titelfoto: Maria Herzog | herzogfotografie.de

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