Mehr als Elphi & Fischbrötchen: Neues Projekt zeigt Hamburgs wahre Gesichter
Hamburg - Seit Oktober 2025 ist der Instagram-Account "Hamburger Gesichter" online, der regelmäßig Videoporträts von Hanseaten und Hanseatinnen veröffentlicht. Hinter dem Projekt stehen zwei Ur-Hamburger und ein Rosengartler, die sich über ein anderes Projekt kennengelernt haben. Ihr Ziel: Hamburg nicht über Sehenswürdigkeiten, sondern über die Menschen zu erzählen – bekannte Persönlichkeiten ebenso wie jene, "die vielleicht nicht mal Social-Media-Accounts haben", wie sie TAG24 im Interview verrieten.
Angefangen hat alles mit der YouTube-Serie "Hamburg 040" von Schauspieler Felix Hoeldtke (39, "Die Wache Hamburg"). Dabei lernte er seine heutigen Mitstreiter Timo Harloff (30) und Dennis "Bredi" Bredenkamp (36) kennen.
"Die Idee hinter 'Hamburger Gesichter' entstand, weil wir Hamburg lieben. Es ist für uns die schönste Stadt der Welt und das liegt vor allem an den Menschen hier", so Hoeldtke gegenüber TAG24. Für den treuen HSV-Fan sei ein Umzug nie eine Option gewesen.
Ebenso wenig für Bredenkamp, der vor allem die Vielfältigkeit der Stadt schätzt. "Hamburg ist nicht nur schön, sondern auch bunt und multikulturell. Du kannst hier 24/7 was erleben, und auch für Kinder und Familien ist viel geboten." Und: "Anders als in manchen Regionen ist man hier offen gegenüber Fremden."
Ein Beispiel aus den bisherigen Porträts verdeutlicht den Ansatz des Projekts: "Wir hatten jemanden, der 40 Jahre Lehrer war und nun unter der Woche Lebensmittel in Schulen einsammelt, die dann freitags an Bedürftige verteilt werden." Genau diese Art von Einblicken sei ihnen wichtig: "Wir wollen den Querschnitt zeigen, aber mit Fokus auf Menschen, die sonst vielleicht keinen Platz finden", so Hoeldtke.
Die Videos sind bewusst kurz gehalten und dem Zeitgeist angepasst. "Die Porträts dauern jeweils knapp drei Minuten und stellen eine Person in den Mittelpunkt", erklärt Harloff. Ziel sei es, Hamburg greifbar und nahbar zu machen: "Wir wollen zeigen, dass die Stadt viel mehr zu bieten hat als Hafen, Elbphilharmonie und Fischbrötchen."
Dabei richtet sich das Format nicht nur an Außenstehende. Harloff, der schon als Teenager von der Großstadt in der Nähe fasziniert war, betont: "Es geht auch darum, Hamburgern selbst noch etwas Neues über ihre eigene Stadt zu erzählen."
Felix, Timo und Bedi zu Besuch bei TAG24 Hamburg
Hamburger Gesichter: "Niemand muss Angst haben, schlecht dargestellt zu werden."
Ein zentrales Prinzip des Projekts: Es werden keine kritischen oder konfrontativen Fragen gestellt. "Es geht nicht darum, Klicks oder Kontroversen zu erzeugen", betont Harloff. "Wir wollen wirklich die persönliche Perspektive auf die Stadt einfangen. So muss niemand Angst haben, schlecht dargestellt zu werden."
Auch sensible Themen würden aus der individuellen Wahrnehmung erzählt, wie etwa Obdachlosigkeit: "Viele denken, man muss helfen, aber manche sagen auch: 'Ey, ich will hier so leben'. Genau diese Perspektive ist dann interessant", ergänzt Bredenkamp.
Die Kontakte zu neuen Protagonisten ergeben sich meist über Netzwerke: "Wir fahren auch oft einfach durch die Stadt und sprechen Leute an, die uns auffallen", so Bredenkamp.
Die meisten Menschen würden sofort zusagen. Bei anderen brauche es zunächst etwas Überzeugungsarbeit – vor allem, wenn es um das Sprechen vor der Kamera gehe. "Wir zwingen natürlich niemanden. Oft sind es die bereits vorhandenen Porträts, die jemanden dann endgültig überzeugen", so die Gründer.
Aktuell seien sechs Porträts vorproduziert, zwei bis drei neue sollen pro Woche erscheinen. Hamburg biete genug Stoff. Manchmal brauche es Geduld, etwa bei großen Institutionen wie der Hamburger Berufsfeuerwehr, während andere Geschichten – zum Beispiel über einen Trucker – spontan entstehen könnten.
Finanziert wird "Hamburger Gesichter" bislang noch aus eigener Tasche. "Wir glauben an das Potenzial und sehen die Vorfinanzierung als Investition", so Hoeldtke. Langfristig soll das Projekt auch wirtschaftlich tragfähig werden, aktuell laufe es aber noch nebenbei.
"Wir hoffen, dass der Account wächst – sowohl die Follower als auch die interessanten Porträts", so Harloff, der Hamburg so zeigen will, "ohne dass man den Wikipedia-Artikel lesen muss." Oder wie Hoeldtke es zusammenfasst: "Wir ziehen den Vorhang weg und zeigen die Geschichten dahinter."
Titelfoto: Tag24/Madita Eggers

