CSD in Hamburg gestartet: "Ein sehr lautes Signal in die Republik!"
Hamburg - Die CSD-Demo in Hamburg ist im vollen Gange. Tausende Menschen ziehen seit 12 Uhr unter dem diesjährigen Motto "Solidarisch queer. Haltung zeigen – für eine Zukunft ohne Angst!" durch die Innenstadt, um ein Zeichen für Vielfalt, Zusammenhalt und die Rechte queerer Menschen zu setzen.
Im Vorfeld hatten die Organisatoren von "Hamburg Pride" nach dem Anschlag auf den CSD in Berlin am vergangenen Wochenende noch einmal verstärkt zur Teilnahme aufgerufen. "Jetzt erst recht", lautet die Botschaft des Vereins.
Auch Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (49, SPD) rief zur Solidarität auf. Gegenüber TAG24 sagte sie: "Der CSD ist immer wichtig. Es ist eine Demonstration für Freiheit, für Vielfalt, für Akzeptanz. Und gerade nach dem letzten Wochenende heißt es heute umso mehr: Flagge zeigen [...]!"
Fegebank betonte weiter: "Von Hamburg wird heute ein sehr, sehr buntes, ein sehr, sehr lautes Signal in die Republik gehen. Wir sind stabil, wir stehen zusammen, an der Seite, für und mit der queeren Community."
Persönlich wünsche sie sich, dass queere Menschen gleiche Rechte hätten und frei sowie ohne Angst leben könnten. Dafür müsse sich die Politik auf allen Ebenen einsetzen. Dazu gehöre für die SPD-Politikerin auch eine Erweiterung von Artikel 3 des Grundgesetzes um das Merkmal der sexuellen Identität.
"Liebe ist so viel stärker, so viel mächtiger als Hass", betonte Fegebank. Es sei eine gesellschaftspolitische Aufgabe, bei der nicht nur die queere Community gefordert sei, sondern alle Menschen.
CSD in Hamburg: "Eine gewisse Unsicherheit schwingt da auf jeden Fall noch mit!"
Bereits vor Beginn der Demonstration versammelten sich die Teilnehmenden am Samstag gegen 11 Uhr am Sammelplatz an der Lübecker Straße.
Dort liefen die letzten Vorbereitungen, bevor sich der Demonstrationszug um 12 Uhr in Bewegung setzte.
Auch der CSD Berlin ist in Hamburg mit einem eigenen Wagen vertreten. Die kurzfristige Teilnahme mit Wagen Nummer 36 soll zeigen, dass sich die Community nicht einschüchtern lässt. Aus Respekt vor den Opfern des Angriffs tragen die Mitfahrenden auf dem Berliner Truck schwarze beziehungsweise dunkle Kleidung.
Die rund vier Kilometer lange Strecke führt über Steindamm, Adenauerallee, Steinstraße, Mönckebergstraße und den Glockengießerwall bis zur Lombardsbrücke durch die Innenstadt. Anschließend wird auf dem Rathausmarkt und an der Binnenalster bis Sonntag weitergefeiert.
Nach Angaben von Hamburg Pride haben sich 120 Gruppen für die Teilnahme angemeldet, darunter 80 Fußgruppen. So viele wie nie zuvor, so der Verein. Auch zahlreiche bekannte Persönlichkeiten sind bei der Demo dabei. Unter ihnen sind Drag-Ikone Olivia Jones (56) und Model sowie Autor Felix Nieder (33).
"Wir müssen uns erinnern, dass der CSD eine Demo ist. Ich weiß, wir wollen Spaß haben, wir wollen mit Freunden sein, vielleicht auch mal etwas trinken, aber am Ende des Tages müssen wir für unsere Rechte einstehen, einmal mehr, weil wir sehen, wie oft immer noch Attentate auf queere Rechte ausgeübt werden", so Nieder gegenüber TAG24.
Auf die Frage, ob er sich nach dem Angriff in Berlin heute sicher fühle, antwortete Nieder: "Ich bin ehrlich: Eine gewisse Unsicherheit schwingt da auf jeden Fall noch mit." Er vertraue jedoch der Polizei Hamburg, die ihr Aufgebot nach eigenen Angaben aufgrund der Ereignisse in Berlin noch einmal verdoppelt hat.
Erstmeldung am 1. August um 7 Uhr, aktualisiert um 13.30 Uhr.
Titelfoto: Bildmontage: Alice Nägle/TAG24, Citynewstv

