Krieg, ICE, Politik und Sport: Diskussionsbedarf bei SPOBIS - ist ein WM-Boykott realistisch?

Hamburg - Eigentlich ging es in der Gesprächsrunde zwischen DFB-Präsident Bernd Neuendorf (64), Otto Fricke, Vorstandsvorsitzender des DOSB (60), und Hamburgs Sportsenator Andy Grote (57) grundsätzlich um die Frage: Wie können Sport und Politik zusammenkommen? Doch eines steht dabei angesichts der weltpolitischen Lage im Mittelpunkt: Ist ein Boykott der Fußball-Weltmeisterschaft realistisch und würde ein solcher überhaupt etwas bringen?

DFB-Präsident Bernd Neuendorf (64, l.), Otto Fricke, Vorstandsvorsitzender des DOSB (60, M.), und Hamburgs Sportsenator Andy Grote (57) diskutierten einen möglichen WM-Boykott.  © Marcus Brandt/dpa

Tendenziell, nein. In diesem Punkt waren sich alle drei Parteien - Fußball, Olympia und Politik - am Mittwochnachmittag auf der SPOBIS-Bühne in Saal Z des CCH einig. Doch wieso?

Zum einen dürfe man einfach nicht pauschalisieren, auch wenn man natürlich nicht mit dem, was in den USA und Russland aktuell passiert, einverstanden sei, betonte Fricke mit Vergleich auf einen Olympia-Boykott im Jahr 1984.

"Sportler dürfen aber nicht einfach bestraft werden", so seine Argumentation. "Man muss differenzieren. Ist der Sportler nah am System? Ist der Sportler zum Beispiel nah am Kriegsverbrechen?"

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Dieser Auffassung stimmte sogar Grote zu. "Man soll sich als Sportler nicht verpflichtet fühlen, Politik zu machen", erklärte der Senator. Trotzdem sei Sport nicht unpolitisch, schließlich stehe man bei jeder Sportgroßveranstaltung vor der Frage: Wie sind die Rahmenbedingungen vor Ort? Diese Auseinandersetzung könne man niemandem ersparen.

Was das für die WM-Teilnahme in den USA bedeutet, bei der man nicht vergessen dürfe, dass neben den Vereinigten Staaten ebenso Mexiko sowie Kanada als Austragungsländer Teil sind, müsse man dann eben auf mehreren Ebenen betrachten und sich klarmachen:

"Wir können nicht erwarten, dass es in jedem Land, wo wir hinfahren, so ist, wie wir uns das gerne vorstellen. Da, wo es dann aber an das eigene Werteverständnis geht, muss man natürlich Position beziehen."

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DFB-Präsident wirbt für Teilnahme am Turnier

Oke Göttlich (50) - DFB-Vize- und St.-Pauli-Präsident - hatte die Diskussion über einen möglichen WM-Boykott eröffnet.  © Gregor Fischer/dpa

Zudem schienen sich alle Speaker einig, dass ein Boykott des Turniers die USA sowie Donald Trump (79) nicht beeindrucken würde, während es in Deutschland ein riesiges Thema wäre.

Was es aber auslösen würde, erklärte Neuendorf, seien massive Sanktionen. "Wir sind Mitglied der FIFA und damit verpflichtet man sich, an solchen Turnieren teilzunehmen. All das muss man einfach bedenken, wenn man eine solche Debatte anstößt. Eben auch zu wissen, welche Folgedebatten es im Verband auslösen kann."

Gerade um etwas zu bewirken, sei die Teilnahme in Situationen wie diesen erst recht wichtig, betonte der DFB-Präsident. "Wir müssen für Begegnungen sorgen. Wir wollen Menschen zusammenbringen. Und wenn wir nicht da sind, kommen wir nicht mit Leuten zusammen, in den Austausch. Und deshalb ist die Teilnahme meiner Meinung nach weiterhin der richtige Weg."

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DFB-Vizepräsident und St.-Pauli-Präsident Oke Göttlich hatte die Diskussion über einen WM-Boykott eröffnet, nachdem sich die übergriffigen ICE-Einsätze in Teilen der USA gehäuft hatten.

Der 50-Jährige wird am Nachmittag ebenfalls auf der SPOBIS sprechen (14.05 Uhr) und unter anderem mit SPOBIS-CEO Marco Klewenhagen (57) darüber diskutieren, was die Bundesliga sein will. Es ist allerdings damit zu rechnen, dass das Thema WM-Boykott nicht ganz außen vor bleibt.

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