Hamburg - Ist die Bundesliga im europäischen Vergleich noch wettbewerbsfähig? Ist die 50+1-Regel wirklich ein Problem? Das sind die großen Fragen, die sich Experten aus dem deutschen Profifußball aktuell stellen. Weltmeister Sami Khedira (38) äußerte einen ganz anderen Punkt dieser Debatte.
"Ich glaube, wir haben ein wunderbares Produkt mit der Bundesliga. Und dann müssen wir uns auch nicht immer als Opfer darstellen und sagen: Die 50+1-Regel schadet uns", fand der ehemalige Nationalspieler deutliche Worte zu Beginn der Gesprächsrunde am Mittwochnachmittag.
Gerade was die Fan-Base betrifft, habe man mit dem deutschen Oberhaus seines Erachtens etwas Einzigartiges auf der Welt.
Sich dauernd darauf auszuruhen, dass die finanzielle Situation bei deutschen Vereinen das Problem sei, davon müssen man wegkommen, betonte der TV-Experte bei der diesjährigen SPOBIS Conference.
"Wir müssen schauen, dass wir diesen 'Nachteil' zu unserem Vorteil machen", so Khedira. "Es passt für mich nämlich nicht zusammen, wenn die Premier League so viel Geld hat, dass im Übergangsbereich genau so viele Spieler mit erfolgreichem Übergang in den Profi-Bereich ausgebildet werden, wie hier in Deutschland."
Und das sollte das Stichwort, für das für ihn eigentliche Problem sein: die Trainerausbildung im Jugendbereich.
Ist der Höhenflug von Trainern das Problem?
"Viele Trainer nehmen den Jugendbereich einfach nur als Sprungbrett", so Khediras Vorwurf.
"Dann wollen sie nach ein, zwei Jahren direkt den nächsten Schritt gehen, sind dann zu egoistisch und vernachlässigen die Nachwuchsarbeit."
Während in seinen Jugendjahren Coaches noch zehn oder 15 Jahre Erfahrung im U12, U15 oder U17 Bereich gehabt hätten, sei das heute die Seltenheit. "Wenn sich Trainer heute zu wichtig nehmen, bleiben die Spieler auf der Strecke."
"Wir bilden einfach zu schlecht aus. Die Spieler sind einfach nicht gut genug", musste auch Gesprächspartner Markus Krösche, Sportvorstand der Eintracht Frankfurt, zustimmen. "Das ist der Grund, warum wir uns zusammen gesetzt und gesagt haben: Wir wollen was verändern!"
Wie will man das nun aber schaffen? "Die Top-Spieler nicht mehr dem Zufall überlassen, sondern sie in ein System zu packen und bestmöglich zu betreuen. Wir haben tolle Talente, aber wir müssen sie richtig fördern und einsetzen", so Khedira.
In gemeinsamer Zusammenarbeit zwischen Klubs, DFL und DFB soll ein ganzheitliches Konzept zur Veränderung gelingen.