Nach Chaosfahrt von Hofgeismar: Wie oft führen medizinische Notfälle zu schweren Unfällen?

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Von Sandra Trauner

Hofgeismar - In Hofgeismar fährt ein 67-jähriger Mann am vergangenen Freitag (21. August) in eine Fußgängerzone, acht Menschen werden verletzt. Auslöser ist ein gesundheitliches Problem. Dass ein medizinischer Notfall zu einem Verkehrsunfall führt, ist laut Unfallforschern selten. Die Wahrscheinlichkeit steigt aber mit zunehmendem Alter. 

Am 21. August war der 67-Jährige wegen eines medizinischen Notfalls mit seinem Mercedes durch die Fußgängerzone in Hofgeismar gefahren.
Am 21. August war der 67-Jährige wegen eines medizinischen Notfalls mit seinem Mercedes durch die Fußgängerzone in Hofgeismar gefahren.  © Florian Wiegand/dpa

"Unfälle aufgrund plötzlicher Gesundheitsstörungen sind insgesamt selten", sagte die Leiterin Unfallforschung der Versicherer, Kirstin Zeidler, der Deutschen Presse-Agentur (dpa). "Ältere sind stärker betroffen." 

Eine Analyse von rund 550 Unfällen aus der Unfalldatenbank der Versicherer zeigt die Altersabhängigkeit: Bei 35- bis 55-Jährigen hatten ein Prozent der Unfälle medizinische Ursachen, bei Menschen über 75 Jahre waren es vier Prozent. 

"Typisch für diese sogenannten plötzlichen Gesundheitsstörungen sind etwa Schwächeanfall oder Bewusstlosigkeit (insbesondere bei Diabetikern), Herzinfarkt und epileptischer Anfall", sagte Zeidler.

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Zahlen, welche Gesundheitsprobleme wie häufig sind, gibt es nicht.

"Körperliche und geistige Mängel" bei Senioren zweithäufigste Unfallursache

Der Unfallforscher Siegfried Brockmann hat sich für die Björn Steiger Stiftung Unfälle von Senioren genauer angesehen. Ausgewertet wurden 230.000 polizeilich aufgenommene Unfalldaten von 2021 bis 2024. 

"Körperliche und geistige Mängel" waren demzufolge in höherem Alter die zweithäufigste Unfallursache – nach Missachten der Vorfahrt. In der Altersgruppe 65 bis 74 Jahre waren sie für 11 Prozent der Unfälle verantwortlich, bei 75- bis 84-Jährigen für 13 Prozent, bei noch älteren Menschen für 17 Prozent. 

"Die Detailanalyse zeigte, dass darunter nur sehr selten kognitive Probleme verstanden wurden", heißt es in der Studie. "Ein beachtlicher Teil der unfallrelevanten Beeinträchtigungen im Alter sind medizinischer Natur – darunter akute Kreislaufstörungen, Ohnmacht, Unterzuckerung, Herzinfarkt oder Schlaganfall."

Bei dem Vorfall wurden acht Menschen verletzt.
Bei dem Vorfall wurden acht Menschen verletzt.  © HessennewsTV/dpa

Wie kann man solche Unfälle verhindern?

Welche Möglichkeiten sieht Zeidler, Unfälle wie den in Hofgeismar zu verhindern? "Verhindern ließen sich solche Unfälle mit Assistenzsystemen, die im gesundheitlichen Notfall Fahrzeuge automatisch anhalten. Sie sollten in allen Fahrzeugen verpflichtend sein", so die Unfallforscherin.

Sicherheitstechnik könne auch Unfälle beim Anfahren verhindern, wenn sich Personen oder Gegenstände im Fahrtweg befinden. 

Brockmann sieht für die Früherkennung die Hausärzte in einer Schlüsselstellung. Gute Dienste könnten sogenannte "Wearables" leisten, die Vitalwerte messen. "Idealerweise könnten jedoch Fahrzeuge selbst durch Lenkradsensoren, Kamerabeobachtung des Fahrers und Spurhalteassistenten rechtzeitig Notfälle erkennen und das Fahrzeug zum sicheren Halt führen."

Titelfoto: Florian Wiegand/dpa

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