Heute vor 35 Jahren: Ein vermeintlicher Bergsteiger wird zum ältesten Mordopfer der Alpen

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Heute vor 35 Jahren, am 19. September 1991, entdeckten zwei Wanderer einen menschlichen Körper, der aus dem Eis ragte. Zunächst deutete vieles auf einen verunglückten Bergsteiger hin. Erst später wurde klar, dass die beiden eine rund 5300 Jahre alte Gletschermumie gefunden hatten.

Sensationelle Entdeckungen und spannende Storys gibt's hier: heute vor ... Jahren.

Ötzi - der Mann aus dem Eis wurde 1991 gefunden.
Ötzi - der Mann aus dem Eis wurde 1991 gefunden.  © Fotomontage: 120/CC BY-SA 3.0/Wikimedia Commons, Hauke-Christian Dittrich/dpa

Das deutsche Ehepaar Erika und Helmut Simon war im Schnalstal (Ötztaler Alpen, Südtirol) unterwegs, als es am 19. September 1991 auf etwa 3210 Metern Höhe den menschlichen Körper im Eis entdeckte.

Sie meldeten ihren Fund dem Hüttenwirt der Similaunhütte. Dieser informierte wiederum die Polizei in Österreich sowie die italienischen Carabinieri.

Ein erster Bergungsversuch am 20. September scheiterte, weil sich der Tote nicht aus dem Eis lösen ließ und die Wetterverhältnisse schlecht waren.

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Auch am folgenden Tag konnte der Körper nicht geborgen werden, da kein Hubschrauber zur Verfügung stand. Schließlich gelang am 23. September endlich erfolgreich die Bergung.

Dabei kamen neben dem Körper auch Teile seiner Kleidung wie Lederfragmente und Fellreste sowie Ausrüstungsgegenstände zum Vorschein.

5300 Jahre im Eis: Was Ötzi über sein Leben und seinen Tod verrät

Einen Tag nach der Bergung untersuchte der Prähistoriker Konrad Spindler die Mumie. Er schätzte ihr Alter zunächst auf mindestens 4000 Jahre. Spätere Untersuchungen zeigten jedoch, dass der Mann bereits vor rund 5300 Jahren in der Kupferzeit gelebt haben muss. Damit ist er sogar älter als beispielsweise die Pyramiden in Ägypten.

Die im Eis erhalten gebliebenen Kleidungsstücke und Gegenstände ermöglichten der Forschung wichtige Einblicke in die Lebenswelt der Kupferzeit. Unter den Fundstücken befanden sich unter anderem ein Kupferbeil, ein Dolch, ein Bogen und Pfeile.

Die Todesursache vom sogenannten Ötzi konnte erst Jahre später geklärt werden. 2001 wurde auf einer Röntgenaufnahme eine steinerne Pfeilspitze in seiner linken Schulter entdeckt. Die Verletzung hatte eine Schlüsselbeinarterie getroffen, woraufhin der Mann an den Folgen des Blutverlusts starb. Zusätzlich hatte er eine schwere Kopfverletzung.

Ötzi wurde demnach ermordet. Warum, konnte jedoch bis heute nicht aufgedeckt werden. Die Pfeilspitze in seiner Schulter belegt zwar den tödlichen Angriff, doch das Motiv und die Identität des Täters bleiben ungeklärt. Eine Schnittverletzung an seiner rechten Hand deutet darauf hin, dass Ötzi bereits zuvor in einen Nahkampf verwickelt war.

Warum heißt Ötzi eigentlich Ötzi? Der Name entstand erst nach seiner Entdeckung. Der Wiener Journalist Karl Wendl schlug "Ötzi" vor – eine Anlehnung an die Ötztaler Alpen, in denen die Mumie gefunden wurde. Zuvor waren mehr als 500 andere Bezeichnungen im Umlauf.

Ötzi-Finderin Erika Simon zeigt das erste Bild, das ihr Mann beim Fund der Gletschermumie aufgenommen hatte. (Archivfoto 2011)
Ötzi-Finderin Erika Simon zeigt das erste Bild, das ihr Mann beim Fund der Gletschermumie aufgenommen hatte. (Archivfoto 2011)  © picture alliance / dpa

Seit 1998 wird die Gletschermumie im Südtiroler Archäologiemuseum in Bozen unter speziellen Kühlbedingungen aufbewahrt. Aus dem Fund vom 19. September 1991 ist damit ein Forschungsobjekt geworden, an dem bis heute Erkenntnisse über einen Menschen aus der Kupferzeit gewonnen werden.

Die Fakten lassen sich rekonstruieren, das Motiv bleibt ein 5300 Jahre alter Cold Case. Das Südtiroler Archäologiemuseum bezeichnet Ötzis Tod selbst als einen der ältesten bekannten Mordfälle und führt die Frage nach dem Motiv ausdrücklich als ungelöst auf.

Titelfoto: Fotomontage: 120/CC BY-SA 3.0/Wikimedia Commons, Hauke-Christian Dittrich/dpa

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