Tunesischen Gefangenen misshandelt? Nächste Anklage gegen AfD-Landesvorstand Daniel Zabel

Dresden - Weil er den Haftbefehl gegen den Verdächtigen Youssif A. im Chemnitzer Mordfall Daniel H. (†35) veröffentlicht hatte, verurteilte das Dresdner Amtsgericht den AfD-Landesvorstand Daniel Zabel (40) zu 11 Monate auf Bewährung und 150 Arbeitsstunden (TAG24 berichtete).

Daniel Zabel am 30. Oktober 2019 am Amtsgericht Dresden mit seinem damaligen Anwalt Frank Hannig.
Daniel Zabel am 30. Oktober 2019 am Amtsgericht Dresden mit seinem damaligen Anwalt Frank Hannig.  © Holm Helis

Nun hat die Dresdner Staatsanwaltschaft wieder Anklage gegen den suspendierten Justizbeamten erhoben. Er soll einen tunesischen Gefangenen schwer misshandelt haben.

Eigentlich waren die Ermittler auf der Suche nach der Quelle des geleakten Haftbefehls zum Chemnitzfall, doch was sie dann in der WhatsApp-Gruppe "G1", benannt nach dem Eingangsbereich des Dresdner Gefängnisses, fanden, löste gleich noch eine Ermittlung aus.

Neben Hitlerverehrung und einem Spruch Zabels über "Kanackenklatschen, wie in den 90ern" fanden sich dort Hinweise auf die Misshandlung ausländischer Gefangener. Offenbar konkret genug, dass sechs Schließer jetzt angeklagt wurden.

Zabel, der noch im Mai für die bayerische AfD-Landtagsfraktion im Justizausschuss als Experte über "Arbeit und Entlohnung" im Justizvollzug referierte, soll mit zwei Kollegen am 18. Juli 2018 übergriffig geworden sein:

"Drei Beschuldigten wird vorgeworfen, einen tunesischen Gefangenen zu Boden gebracht, an den Händen gefesselt und mehrfach gegen den Oberkörper getreten und geschlagen zu haben", sagt Oberstaatsanwalt Jürgen Schmidt (44). "Wodurch der Geschädigte Hämatome im Bereich des Oberkörpers und Schmerzen erlitt."

Jürgen Schmidt, Oberstaatsanwalt und Sprecher der Staatsanwaltschaft Dresden.
Jürgen Schmidt, Oberstaatsanwalt und Sprecher der Staatsanwaltschaft Dresden.  © Steffen Füssel

Es ist nicht der einzige angeklagte Übergriff: Am 12. Juli sollen zwei weitere Justizbeamte einen Afghanen zu Boden gebracht, ihn dort mit Faustschlägen auf Kopf und Oberkörper traktiert haben, einem dritten werfen die Ermittler vor dabei nicht eingegriffen zu ahnen. Dieser Beamte soll auch zusammen mit Daniel Zabel den Tunesier attackiert haben.

Einem sechsten Schließer werfen die Ermittler vor, am 13. August 2018 einen Marrokaner in seine nasse Zelle geschubst zu haben. Dieser rutschte aus und schlug sich den Kopf am Türrahmen blutig.

Titelfoto: Holm Helis

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