2000 Euro je Doppelgänger: Systematischer Schwindel bei Fahrprüfungen vor Gericht

❤️
😂
😱
🔥
😥
👏

Von Martin Oversohl

Heilbronn - Vor dem Heilbronner Landgericht hat einer der bislang wohl spektakulärsten Prozesse gegen eine mutmaßliche Bande von Führerscheinbetrügern begonnen.

Der Angeklagte soll als Teil einer Heilbronner Bande selbst Führerscheinprüfungen übernommen oder Stellvertreter für Fahrschüler organisiert haben.
Der Angeklagte soll als Teil einer Heilbronner Bande selbst Führerscheinprüfungen übernommen oder Stellvertreter für Fahrschüler organisiert haben.  © -/dpa

Fünf Männer, darunter Inhaber von zwei Fahrschulen, sollen über ein Netzwerk Doppelgänger vermittelt haben. Als sogenannte Stellvertreter übernahmen diese laut Anklage gegen Bezahlung Dutzende theoretische Fahrprüfungen.

Insgesamt sind die Männer wegen 59 Taten im Großraum Heilbronn und Göppingen angeklagt. Organisator, Vermittler, Stellvertreter - die mutmaßlichen Betrüger seien professionell organisiert gewesen, sagte der Staatsanwalt zum Prozessauftakt.

Die Prüfungen seien eine "Einnahmequelle von erheblichem Umfang und einiger Dauer" gewesen.

Ex-Frau mit Fleischerbeil angegriffen: So lange muss der Mann ins Gefägnis
Gerichtsprozesse Baden-Württemberg Ex-Frau mit Fleischerbeil angegriffen: So lange muss der Mann ins Gefägnis

Prüflinge hätten im Normalfall etwa 2000 Euro gezahlt. Es seien aber auch deutlich höhere Beträge gezahlt worden. Gemeinsam sollen die Männer mit deutscher, bulgarischer und syrischer Staatsangehörigkeit mehr als 179.000 Euro eingenommen und das Geld aufgeteilt haben.

Bedarf scheint hoch zu sein

Anstatt selbst zu büffeln, lassen zahlreiche Fahrschüler kurzerhand Doppelgänger zur eigenen Prüfung antreten. (Symbolfoto)
Anstatt selbst zu büffeln, lassen zahlreiche Fahrschüler kurzerhand Doppelgänger zur eigenen Prüfung antreten. (Symbolfoto)  © Sebastian Gollnow/dpa

Es ist nicht der erste, aber der größte Prozess gegen die Gruppe: Ein mutmaßlicher Komplize war bereits im März in Heilbronn zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Er wurde des Betrugs in 31 Fällen schuldig gesprochen, nachdem nachgewiesen wurde, dass er sich als Doppelgänger für eine andere Person ausgegeben hatte.

Der TÜV-Verband geht davon aus, dass bundesweit gut jeder zweite aufgedeckte Betrugsfall bei Führerscheinprüfungen professionell organisiert ist - die Dunkelziffer bleibt hoch.

Der Bedarf scheint es auch zu sein: Im vergangenen Jahr fielen laut TÜV-Verband bei fast jeder zweiten Führerscheinprüfung (41 Prozent) die Kandidaten durch.

Titelfoto: Bildmontage: -/dpa, Sebastian Gollnow/dpa

Mehr zum Thema Gerichtsprozesse Baden-Württemberg: