"Abreibung" für verhassten Chef: Polizist bestellt Überfall bei Mafia – und wird freigesprochen

Von Martin Oversohl

Stuttgart - Im ersten von mehreren laufenden Prozessen gegen mutmaßliche Mitglieder oder Unterstützer der italienischen Mafia ist ein Polizist in Stuttgart freigesprochen worden.

Einem Polizeibeamten aus Baden-Württemberg wurde in einem von zwei Prozessen vorgeworfen, die Mafia unterstützt zu haben. (Archivfoto)
Einem Polizeibeamten aus Baden-Württemberg wurde in einem von zwei Prozessen vorgeworfen, die Mafia unterstützt zu haben. (Archivfoto)  © Katharina Kausche/dpa

Er hatte bei einem Freund und Unterstützer der kalabrischen Mafia unter anderem um eine "Abreibung" für seinen verhassten Chef gebeten - das hatten mitgeschnittene Telefonate bewiesen.

Der Polizist aus Fellbach (Rems-Murr-Kreis), gegen den auch in einem weiteren Prozess verhandelt wird, war wegen versuchter Anstiftung zum Totschlag an seinem Vorgesetzten vor dem Landgericht Stuttgart angeklagt. Allerdings kamen Zweifel auf, ob der Mann zum Zeitpunkt des Gesprächs mit seinem italienischen Freund im Jahr 2022 tatsächlich erwartet hatte, dass dieser zur Tat schreiten und einen Killer anheuern würde.

Es habe an "subjektivem Tatbestand" gefehlt, teilte das Gericht mit. Davon sprechen Juristen, wenn ein Angeklagter nicht absichtlich oder wissentlich gehandelt hat. In solchen Fällen gibt es meist einen Freispruch, da Schuld nicht nur an der Tat, sondern auch am Vorsatz hängt.

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Verteidiger und Staatsanwaltschaft hatten zuvor auch einen Freispruch wegen Schuldunfähigkeit für möglich gehalten. Denn nach Überzeugung eines psychiatrischen Gutachters hatte sich der Polizist zum Zeitpunkt des Telefonats in einer manischen Phase befunden.

Polizist steht zweimal vor Gericht

Der Prozess am Landgericht Stuttgart dauert an. (Symbolfoto)
Der Prozess am Landgericht Stuttgart dauert an. (Symbolfoto)  © Marijan Murat/dpa

In einem weiteren Prozess wird dem Mann vorgeworfen, die 'Ndrangheta unterstützt zu haben. Er soll in Polizeisystemen zweimal interne Informationen abgerufen haben - und diese an seinen italienischen Freund weitergegeben haben. Nach Angaben seines Anwalts will sich der Mann in den kommenden Wochen zur Sache äußern.

Die 'Ndrangheta ist eine der mächtigsten italienischen Verbrecherbanden – gefährlicher als Cosa Nostra oder Camorra. Sie dominiert den europäischen Kokainmarkt, ihr Spektrum reicht aber auch von Betrug bis zu Waffendelikten und Geldwäsche.

Das baden-württembergische Landeskriminalamt (LKA) schätzt rund 170 Aktive – und geht von einer hohen Dunkelziffer aus.

Titelfoto: Katharina Kausche/dpa

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