Gondel stürzt mit drei Männern in die Tiefe: Wird der Kranführer angeklagt?
Von Stefanie Järkel
Horb am Neckar - Rund ein Jahr nach dem tödlichen Absturz einer Transportgondel an einer Brücken-Baustelle im Nordschwarzwald hat die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen abgeschlossen.
Zunächst müssten nun die Verfahrensbeteiligten benachrichtigt werden, bestätigte ein Sprecher. Dann werde die Öffentlichkeit informiert. Zuvor hatten mehrere Medien berichtet. Die Ermittler waren früh nach dem Absturz von menschlichem Versagen als Ursache ausgegangen.
Das Unglück vom 20. Mai 2025 in Horb am Neckar (Landkreis Freudenstadt) hatte weit über die Region hinaus für Entsetzen gesorgt. Die an einem Kran hängende Transportgondel war damals mit drei Bauarbeitern abgestürzt. Die Männer im Alter von 40 bis 46 Jahren - zwei Polen und ein Deutscher - waren sofort tot. Die Transportgondel hätte sie auf einen Brückenpfeiler auf der Baustelle an der Hochbrücke Horb bringen sollen.
Die Staatsanwaltschaft hatte gegen den damals 36 Jahre alten Kranführer ein Strafverfahren wegen des Anfangsverdachts der fahrlässigen Tötung eingeleitet. Im Falle einer Verurteilung drohen eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren. Ob es aber zu einer Anklage und einem Prozess kommt, ist noch offen.
Der damalige baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) hatte das Unglück als einen der schwersten Arbeitsunfälle bezeichnet, die es je auf einer Straßenbaustelle im Land gegeben habe.
Hochbrücke soll bis zu 90 Meter hoch sein
Schon früh nach dem Unfall hatten die Ermittler mitgeteilt, das Stahlseil, an dem die Gondel befestigt war, könnte sich auf dem Weg der Gondel nach oben in querlaufenden Drahtseilen verfangen haben. Diese ersten Anhaltspunkte hätten sich weiter verdichtet, erklärten Polizei und Staatsanwaltschaft später.
Die sogenannte Kranflasche, zu der ein Haken gehört, hatte sich nach dem damaligen Stand der Ermittlungen an den querlaufenden Drahtseilen verfangen. Das Kranseil sei dadurch letztendlich gerissen, hieß es weiter. Am Haken hing die Transportgondel mit den drei Arbeitern.
Die Hochbrücke ist Teil eines umfangreichen Straßenbauprojekts. Sie soll den Verkehr auf der Bundesstraße 32 über das Neckartal führen.
Bisher führt die Straße ins Tal hinunter und durch die Innenstadt von Horb. Laut dem Karlsruher Regierungspräsidium soll die Brücke 2100 Meter lang werden und bis zu 90 Meter hoch sein.
Titelfoto: Marijan Murat/dpa

