Von Kathrin Zeilmann und Angelika Resenhoeft
Wunsiedel - Ein leitender Mitarbeiter (49) eines Kinderheims in Wunsiedel soll sich einen Tag nach der Anklage gegen ihn wegen Kindesmissbrauchs und Vergewaltigung im Gefängnis das Leben genommen haben.
Das teilten das Polizeipräsidium Oberfranken und die Staatsanwaltschaft Hof mit. Hinweise auf Fremdeinwirkung gebe es nicht.
Der 49-Jährige hatte seit Anfang März in Untersuchungshaft gesessen. Er sei am Dienstagabend bei einem Kontrollgang tot in seiner Haftzelle in der Justizvollzugsanstalt Hof gefunden worden.
In der Anklage zum Landgericht Hof vom Montag, die ihm laut Staatsanwaltschaft noch nicht zugestellt worden war, werden dem Mann mehrere Delikte nach dem Sexualstrafrecht vorgeworfen.
Darunter sind der mehrfache, schwere, sexuelle Missbrauch und die Vergewaltigung eines Jungen sowie der Besitz und das Herstellen kinderpornografischer Inhalte.
Der 49-Jährige war den Ermittlern zufolge zeitweise als suizidgefährdet eingestuft, entsprechende Maßnahmen seien in der JVA erfolgt. Hinweise auf ein Verschulden der Gefängnismitarbeiter gibt es nach Worten von Oberstaatsanwalt Andreas Cantzler nicht.
Übergriffe fanden wohl nicht im Heim statt
Nach Angaben der Ermittler sollen sich die mutmaßlichen Taten nicht im Kinderheim abgespielt haben, sondern am Wohnort des Mannes in Hof.
Die Mutter des mutmaßlichen Opfers, das zur Tatzeit zwischen sieben und neun Jahre alt gewesen sein soll, hatte im Herbst 2025 Anzeige gegen den Verdächtigen erstattet.
Wie Oberstaatsanwalt Cantzler sagte, kannte der Verteidiger des Verdächtigen das Ergebnis der Ermittlungen. Ob er dies auch seinem Mandanten mitgeteilt hat, sei unbekannt.
Das Kinderheim in Wunsiedel war auch 2023 Schauplatz eines Verbrechens: Ein damals zehn Jahre altes Mädchen war dort sexuell missbraucht und getötet worden.
Nach derzeitigen Erkenntnissen der Ermittler gibt es zwischen dieser Tat und dem Fall des 49-Jährigen keinen Zusammenhang.
Normalerweise berichtet TAG24 nicht über Suizide. Da der gesamte Fall medial jedoch sehr präsent ist, hat sich die Redaktion entschieden, es doch zu thematisieren. Solltet Ihr selbst von Selbsttötungsgedanken betroffen sein, findet Ihr bei der Telefonseelsorge rund um die Uhr Ansprechpartner, natürlich auch anonym. Telefonseelsorge: 08001110111 oder 08001110222 oder 08001110116123.