CVAG-Busfahrer war süchtig nach platten Reifen: Prozess gegen Chemnitzer Reifenstecher!

Chemnitz - Jahrelang blieb der Reifenstecher von Chemnitz ein gefürchtetes Phantom. Jetzt hat der Mann, der rekordverdächtige 310 Autos im Schutz der Dunkelheit tiefergelegt haben soll, einen Namen: Tibor K. (59). Der Ungar ist Bus- und Tramfahrer bei der CVAG und handelte aus Hass auf Falschparker.

Das Chemnitzer "Phantom" hat einen Namen: Tibor K. (59) mit seinem Anwalt auf dem Weg zum Gerichtssaal.
Das Chemnitzer "Phantom" hat einen Namen: Tibor K. (59) mit seinem Anwalt auf dem Weg zum Gerichtssaal.  © Haertelpress

Aus Hass wurde irgendwann Sucht: Um nicht rückfällig zu werden, ging Tibor K. sogar freiwillig zum Psychologen! 

"Ich sehe sie immer noch vor meinen Augen (Falschparker, d. Red.), unternehme nun aber nichts mehr." 

Kurios: Der Ungar agierte derart fanatisch, dass er 2017 sogar aus Versehen die Reifen seines Opels zerstach. "Laut Unterlagen waren Sie das selbst", so die beisitzende Richterin.

Zum gestrigen Prozessauftakt legte Tibor K. vor dem Landgericht Chemnitz ein Teilgeständnis ab. 

Für 74 Fälle sei er verantwortlich. In der Anklage stehen allerdings 310 Fälle, die sich zwischen Mai 2016 und Juli 2018 zugetragen haben sollen. 

Schwerpunkte waren die Stadtteile Kaßberg, Sonnenberg und Gablenz. 

Einige Fahrzeughalter erwischte es sogar zweimal. Und: Nicht alle Geschädigten waren tatsächlich Falschparker. Der Gesamtschaden beläuft sich auf 40.000 Euro. 

"In Wirklichkeit ist er aber höher. Gefühlt die Hälfte der Halter hat uns keine Schadensangabe übermittelt. In dem Fall rechnen wir mit einem Euro", so Staatsanwalt Rolf Bach (44).

Die Anklage listet 310 Fälle auf. Hier hatte es einen Opel-Fahrer in der Frankenberger Straße erwischt.
Die Anklage listet 310 Fälle auf. Hier hatte es einen Opel-Fahrer in der Frankenberger Straße erwischt.  © Haertelpress

Polizei überführte den Reifenstecher mit Lockfahrzeugen

Mit einem abgeschliffenen Schraubenzieher soll der Angeklagte die Luft aus den Reifen gelassen haben.
Mit einem abgeschliffenen Schraubenzieher soll der Angeklagte die Luft aus den Reifen gelassen haben.  © Haertelpress

Eine Polizeibeamtin berichtete im Zeugenstand, wie man dem "Phantom" auf die Schliche gekommen ist: "Wir haben Lockfahrzeuge verkehrswidrig geparkt. Dann haben wir die Observation ausgeweitet." 

Eine CVAG-Mitarbeiterin habe die Dienstkleidung von Überwachungsbildern identifizieren können. DNA-Spuren und Vergleichstests untermauerten den Verdacht.

Als Tibor K. vorläufig festgenommen wurde, versetzte ihn sein Arbeitgeber nach eigener Aussage in die Werkstatt. Inzwischen soll er wieder am Steuer sitzen. 

"Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, geben wir dazu keine Auskunft", so CVAG-Sprecherin Juliane Kirste (35).

Im Fall eines umfangreichen Geständnisses hat die Kammer den Ungarn Bewährung in Aussicht gestellt. Am 7. Juli wird weiterverhandelt.

Titelfoto: Haertelpress

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