Chemnitz - Der Prozess um den mutmaßlichen Femizid in der Theaterstraße in Chemnitz zieht sich länger hin als geplant – das Urteil gegen Allahmir R. (39) soll erst am 5. Juni fallen. Der Afghane und vierfache Familienvater soll im vergangenen Sommer seine Ehefrau Masoma (†38) mit einem Fleischerbeil getötet haben. Er schweigt bis heute zu den Vorwürfen.
Am jüngsten Verhandlungstag rückte der Notruf in den Fokus. Ein Mitarbeiter der Rettungsleitstelle sagte aus, er habe am Tattag im September ein sehr kurzes, hektisches Gespräch entgegengenommen. Gemeldet worden sei, dass die Mutter mit einem Messer attackiert worden sei und es zuvor Streit zwischen den Eltern gegeben habe.
Auch zur Vorgeschichte der Beziehung kamen im Prozess bedrückende Details ans Licht. Eine Mitarbeiterin der Jugendhilfe berichtete vor Gericht, Masoma habe bereits früher Angst vor ihrem Mann gehabt und die Wohnung verlassen wollen. Zudem war Allahmir R. schon früher angeklagt: Ihm wurde vorgeworfen, seine Frau gefesselt und geschlagen zu haben. Das Verfahren endete ohne Verurteilung, weil Masoma nicht aussagte.
Am nächsten Verhandlungstag Ende Mai soll der forensische Psychiater Peter Spindler die Schuldfähigkeit des Angeklagten bewerten. Seine Einschätzung könnte maßgeblich dafür sein, wie hart das Urteil ausfällt.
Urteil zu Molotowcocktail-Attacke
Urteile fielen bereits in einem anderen Chemnitzer Horrorprozess: Nach einer Molotowcocktail-Attacke auf eine Wohnung in der Annenstraße 2023 wurden Bilal A. (21), Ibrahim A. (22) und Bassel A. (29) erneut verurteilt – unter anderem wegen versuchten Mordes in zehn Fällen.
Nach der Revision fielen die Strafen geringer aus: fünf Jahre und vier Monate Jugendstrafe, fünf Jahre und elf Monate Jugendstrafe sowie sieben Jahre und elf Monate Haft. Rechtskräftig sind die Richtersprüche noch nicht.