Drama um gefällten Ahorn hat Nachspiel vor Gericht: Aktivistin schlug und biss Polizisten
Chemnitz - Mehrere Chemnitzer kämpften im vergangenen Jahr im Ortsteil Schloßchemnitz für den Erhalt eines 100 Jahre alten Ahorns. Am Ende war der Einsatz umsonst, der Baum wurde gefällt. Eskaliert ist die Situation trotzdem: Seit Montag muss sich eine Opernsängerin vor dem Amtsgericht verantworten, die sich mit Gewalt für den Baum einsetzte. Sie soll mehrere Beamte vor der Fällung verletzt und einen sogar gebissen haben.
Bereits vor dem 9. September 2025 kämpften Chemnitzer in der Further Straße für den Erhalt des Ahorns. Das Gehölz musste weichen, um für eine Tiefgarage Platz zu machen. Außerdem sagten Gutachten aus, dass der Baum Pilzbefall habe und somit krank gewesen sei.
Als am frühen Nachmittag der Teleskoplader anrückte, um den Baum abzutragen, stellte sich eine Aktivistin - ausgebildete Baumwartin und hauptberuflich Opernsängerin - zwischen Fahrzeug und Ahorn. Doch statt Gesang folgten Schreie und Tritte.
Als zwei Ordnungshüter die Ahorn-Verteidigerin packten, "schlug und trat diese mit ihren Armen und Beinen wild umher, um den Zugriff der Polizeibeamten und damit ihre Entfernung vom Baum zu verhindern", so die Anklage.
Damit nicht genug: Einen Polizeiobermeister biss die renitente Naturschützerin heftig in den linken Unterarm, bis es blutete.
Angeklagte biss aus "Todesangst"
Die Angeklagte reagierte beim Prozessauftakt mit Unverständnis: "Dass ich heute vor Gericht sitze, ist für mich schwer nachvollziehbar", ließ sie in einer Erklärung verlauten.
Zudem erklärte sie, dass sie einen der vier Beamten biss, weil sie während des Wegtragens "Todesangst" hatte. Nachdem sie ein paar Stunden in Polizeigewahrsam verbrachte, wurde sie freigelassen.
Die Sängerin wehrte sich auch deswegen so heftig, weil der Baum nicht nur alt war, sondern laut Gutachten auch Brutstätte für Fledermäuse gewesen sein könnte. Allerdings sagten Forstarbeiter in der Verhandlung, dass unmittelbar vor der Fällung nichts davon zu sehen war.
Der Prozess um Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Körperverletzung wird am Donnerstag fortgesetzt.
Titelfoto: Bildmontage: Jan Härtel, Haertelpress

