Chemnitz - Es begann mit einem Routine-Einsatz - und endete mit zwei Polizisten, die sich vor Gericht verantworten müssen. Weil sie einen renitenten Reichsbürger bei einer Verkehrskontrolle zu hart rannahmen, wurden am Montag die Ordnungshüter Marcel R. (35) und Maximilian W. (28) verurteilt.
Es ist ein Beispiel dafür, was Polizisten im Einsatz sich alles gefallen lassen müssen. Das Problem: Streifenpolizist Marcel reagierte über. Er und sein Partner Maximilian wollten am 12. Oktober 2023 ein Auto kontrollieren, das auf der Yorckstraße entlang fuhr. Grund für die Kontrolle: Das Auto hatte kein Kfz-Kennzeichen.
Als die Beamten um Ausweis und Führerschein baten, entpuppte sich der Fahrer als durchgeknallter Reichsbürger. Er pöbelte herum und bezeichnete die Beamten als "Angestellte".
Immer wieder steckte der Mann seine Hände in die Hosentaschen. Für Polizisten ist dies ein Alarmsignal: "Grundsatz ist: Wenn die Hände des Gegenübers nicht sichtbar sind, schwingt immer ein gewisses Risiko mit", erklärte Marcel.
Als der Autofahrer immer weiter provozierte, hatte Marcel genug: Er stieß den Fahrer auf das Auto und legte ihn auf dem Rücken Handschellen an, obwohl der Mann über Schmerzen klagte. Sein Kollege Maximilian stand daneben und nahm alles per Bodycam auf.
Richter über Polizeikontrolle: "Das ist völlig aus dem Ruder gelaufen"
Als das Video am Montag am Chemnitzer Amtsgericht abgespielt wurde, stellte Richter Christian Goltz (63) jedoch fest, dass von dem Fahrer abseits des Gepöbels keine Gefahr ausging.
Marcel wurde schließlich wegen Körperverletzung im Amt zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten auf Bewährung verurteilt, Maximilian muss wegen Beihilfe 4800 Euro blechen.
"Das ist völlig aus dem Ruder gelaufen", erklärte Jurist Goltz bei der Urteilsverkündung.