Chemnitz - Vor dem Amtsgericht Chemnitz wird ein mutmaßlicher Stalking-Fall verhandelt: Oliver K. (51) soll zwischen August 2024 und Februar 2025 wiederholt Kontakt zu Carmen B. gesucht haben, obwohl sie das nicht wollte.
Laut Anklage passte er sie an der Bushaltestelle am DRK-Krankenhaus Rabenstein, dem gemeinsamen Arbeitsplatz, ab, rief sie ohne dienstlichen Grund auf dem Diensthandy an und schrieb E-Mails.
B. wechselte den Job und erwirkte ein Kontaktverbot. Nach dessen Ablauf soll K. ihre Adresse ausfindig gemacht und Briefe bei ihr eingeworfen haben. B. sei deshalb nur noch verkleidet aus dem Haus gegangen.
"Die Hälfte der Anklage ist unwahr", sagte K., der ohne Anwalt erschien. Telefonate und Briefe räumte er ein, ein Auflauern bestritt er. Die Begegnungen an der Bushaltestelle seien Zufall gewesen. "Es spricht doch nichts dagegen, dass ich 'Hallo' sage!" Der Richter hielt dagegen: "Wenn sich eine Person belästigt fühlt, ist ein 'Hallo' zu viel."
K. habe nicht verstanden, warum B. keinen Kontakt mehr wolle. "Das hat mir keine Ruhe gelassen", sagte er. Um ihren Grund zu erfahren, habe er vier "freundliche Briefe" geschrieben. Dass B. daraufhin kaum noch das Haus verlasse, halte er für "paranoid".
Der Richter stellte klar: "Was Sie schildern, nennt sich Stalking." Ende des Monats wird der Prozess fortgesetzt. Dann sollen B. und zwei weitere Zeuginnen aussagen.