Tote Mutter lag monatelang in Wanne: Prozess gegen Sohn wird neu aufgerollt

Freiberg/Chemnitz - Bizarrer Betrug neu aufgerollt: Vor dem Landgericht Chemnitz muss der Prozess gegen den 55-jährigen Oliver H. von vorn beginnen. H. lagerte seine tote Mutter monatelang in einer Badewanne, strich sich währenddessen ihre üppige Rente ein. Die Staatsanwaltschaft geht mittlerweile davon aus, dass der angeklagte Sohn mit Vorsatz gehandelt habe.

Naiv oder gewieft? Oliver H. (55) muss sich einer neuen Anklage stellen.
Naiv oder gewieft? Oliver H. (55) muss sich einer neuen Anklage stellen.  © Uwe Meinhold

Der gelernte Einzelhandelskaufmann geriet nach der Wende in die Langzeitarbeitslosigkeit, zog später wieder bei seiner Mutter ein. Daran erinnert sich deren beste Freundin Gudrun K. (70) sehr gut.

Im Mai 2019 tischte ihr H. eine unheimliche Geschichte auf: Seine Mutter sei für Monate ins Ausland gereist. Ganz ohne Handy. Im Juli 2019 ging K. zur Polizei in Freiberg. Erst im Januar 2020 schauten Beamte bei H. vorbei und fanden - nichts.

Nur Tage später rief H. einen Arzt und erzählte von Mama, die - inzwischen mumifiziert - in der Wanne lag. Ihre drei Konten waren laut den Ermittlern seit Mai 2019 nahezu leer geräumt.

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Hatte Oliver H. den Tod seiner Mutter des Geldes wegen verheimlicht? Genau das ist nun Gegenstand der neuen Anklage. Bislang wurde wegen "Betrugs durch Unterlassen" verhandelt - der Sohn habe einfach nicht Bescheid gesagt. Doch nach einem richterlichen Hinweis klagt die Staatsanwaltschaft nun auf "Betrug durch aktives Tun".

Nächster Termin: 26. Oktober. Solange bleibt der 55-Jährige auf freiem Fuß.

Titelfoto: Uwe Meinhold

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