Dresden - Drei Monate wurden sie gesucht, jetzt klickten Handschellen: Die "Landesherrin von Sachsen", Gina W. (64) und der "Buchführer der Landschaft Sachsen", Nils Z. (60), landeten vorm Haftrichter. Nun warten sie auf ihren Prozess.
Der Reihe nach: Im März 2020 verbot das Bundesinnenministerium den Verein "Geeinte deutsche Völker und Stämme", einen Ableger der Reichsbürger-Gruppierungen. Zumindest in Sachsen sollen einige Truppenteile aber weiter agiert haben und riefen die Soko Rex auf den Plan.
Laut Anklage schickten Gina als "Landesherrin von Sachsen" und Nils als "Buchhalter der Landschaft Sachsen" krude Schreiben an Behörden und Ämter, warben weiter für Mitglieder, organisierten eine Veranstaltung, die allerdings von der Polizei aufgelöst wurde.
Wegen dieser Vorwürfe sollte ab Juni im Landgericht Dresden verhandelt werden. Aber die Angeklagten schwänzten. Stattdessen schrieben sie ans Gericht, dass sie "mit der Behörde keinen Vertrag" hätten.
Der Richter stellte sogenannte Sitzungshaftbefehle gegen sie aus.
Gina W. ist bis zum neuen Prozessstart auf freiem Fuß
Ende August klickten dann erstmals Handschellen. Nils, der seine Schreiben gern aus East Sussex (England) verschickte, wurde in der Lausitz aufgegriffen, kam in U-Haft. Prompt schickte Gina als "Landesherrin" ein Fax in die JVA, mit der Forderung, Nils umgehend freizulassen. Nun aber konnten die Fahnder auch Gina immer mehr einkreisen. Und vergangene Woche wurde auch sie zum Haftrichter gebracht.
Allerdings: Gegen strenge Auflagen wurde ihr Haftbefehl außer Vollzug gesetzt. Bis zum neuen Prozessstart im November ist sie auf freiem Fuß.