Justiz-Aufwand um entsorgte Kippe macht Richter sauer

Dresden - Plötzlich platzte dem Richter die Hutschnur: Witwe Grit K. (58) war mit ihrem Cabrio im Mai über die Winterbergstraße gebraust, als sie an der Ampel eine Zigarette aus dem Fenster geschnippt haben soll. In Dresden kostet das 55 Euro. Jetzt kommt sie fast ungeschoren davon.

Eine weggeschnippte Kippe kostet 55 Euro in Dresden. Eigentlich. (Symbolbild)  © 123RF

"Wie man wegen eines solchen Vorgangs zum Anwalt rennen kann, ist mir schleierhaft!", polterte Richter Hassel (62) keine halbe Stunde nach Verhandlungsbeginn.

Kauffrau Grit hatte gegen ihren Bußgeldbescheid Einspruch eingelegt und erschien mit Anwalt und Verspätung am Mittwoch vorm Amtsgericht. Zigaretten rauche sie keine, "sondern 'Iqos'", sagte Grit K. und demonstrierte das weinrote Ladegerät samt Stummel-Halter prompt.

Und: "Ich werfe nichts aus dem Fenster", fuhr sie fort. Blöd nur, dass Samy (36) von der Polizeibehörde direkt hinter ihr an der Ampel stand und damit beste Sicht auf den herausfliegenden Gegenstand hatte. Grits Fensterscheibe sei halb geöffnet gewesen.

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War es also der Wind? Selbst der Richter musste lachen.

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Doch der anklagende Vertreter der Stadt knickte ein, forderte Einstellung, man könne es trotz Zeugenaussage nicht beweisen. "Äh", stotterte Hassel erst, "was soll ich denn jetzt dazu sagen?" Und legte nach: Für diese Verschwendung von Staatsressourcen und Lebenszeit hätte er Grit mehr als 55 Euro aufbrummen wollen.

So blieb nur der Freispruch. "Aber die Auslagen tragen Sie selber, fertsch!"

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