"Kommissar Reuter" zockte Omis in ganz Deutschland ab: Betrüger in Dresden vor Gericht
Dresden - Fiese Abzocke bei Senioren! Immer wieder bringen falsche Polizisten betagte Opfer um ihre Ersparnisse. Laut Anklage war Hassan R. (36) der Logistiker einer solchen Bande. Er soll "Abholer" rekrutiert, Gelder weitergeleitet haben. Im gesamten Bundesgebiet wurden Omis so abgezockt. Nun ist Prozess am Landgericht Dresden gegen den Systemgastronomen aus Nordrhein-Westfalen.
Die Masche war oft ähnlich: Ein "Kommissar Reuter" rief die Opfer, Frauen zwischen 72 und 91 Jahren, an. Der falsche Polizist erklärte den Omis, ihre Ersparnisse und Wertgegenstände wären nicht sicher, weil sich Kriminelle in ihrer Gegend herumtreiben. Aber ein Kollege würde gleich alles holen und sicher verwahren.
Die gutgläubigen Damen übergaben Bargeld, EC-Karten, Schmuck und Gold an vermeintliche Ordnungshüter.
In Wahrheit aktivierte Hassan über Telegram Handlanger, die Beute abzuholen. Mit den ergaunerten EC-Karten wurden zusätzlich die Konten der Omis geplündert. Innerhalb von fünf Monaten (November 2020 bis März 2021) erbeutet die aus der Türkei agierende Bande satte 164.000 Euro!
Dann ermittelte die echte Dresdner Polizei in den Fällen von drei betrogenen sächsischen Seniorinnen. Die Fahnder stießen auf Hassan, ordneten ihm weitere zwölf Fälle im gesamten Bundesgebiet zu.
So in Potsdam, Berlin, Würzburg, Heilbronn, Dorsten und Münster. Am überwachten Telefon prahlte er vor seiner Freundin: "Der Reuter hat uns reich gemacht."
Betrugsprozess in Dresden: Angeklagter von Polizei angeschossen
Fast alle Taten gestand Hassan nun im Prozess: "Anfangs war es ein Gefallen für einen Freund. Dann bin ich immer tiefer reingerutscht. Tut mir sehr leid", sagte der Angeklagte.
Er habe zu der Zeit starke Schmerzmittel genommen. "Denn ein Polizist hatte auf mich geschossen. Ich verlor mein Bein", berichtete Hassan.
Laut Polizeibericht wurden 2020 im Ruhrgebiet Beamte zum Einbruch in eine Bäckerei gerufen. Einer der mutmaßlichen Täter vor Ort ging mit einer Eisenstange auf einen Polizisten los. Der Beamte schoss. Lebensgefährlich verletzt kam Hassan in die Klinik, doch sein linkes Bein war nicht zu retten.
Laut Dresdner Richter wurde das Verfahren gegen den Polizisten eingestellt. Das Verfahren dazu gegen Hassan stellte die Justiz in Essen im Hinblick auf den Betrugs-Prozess in Dresden ein.
Ende 2020 ging der Angeklagte in die Türkei. "Ich brauchte Zeit für mich", sagte er und bestritt, untergetaucht zu sein. "Für die Justiz sind sie geflohen", stellte dagegen die beisitzende Richterin der Kammer klar.
Letztlich wurde Hassan in der Türkei verhaftet, saß Monate in Auslieferungshaft. "Ich will nur noch heim zu meinen Kindern und zu meiner Mutter", sagte er zum Richter in Dresden. Urteil folgt.
Titelfoto: Bildmontage: Peter Schulze

