Kontrolleur mit Messer niedergestochen: Schwarzfahrer in Dresden vor Gericht

Dresden - Eine brandgefährliche Eskalation schockierte am 30. Oktober die Landeshauptstadt: Innerhalb kürzester Zeit wurde aus dem Schwarzfahrer Aldeen J. (24) erst ein Reifenstecher, nun steht er wegen versuchten Totschlags vorm Dresdner Landgericht. Trotz Glück im Unglück leidet sein Opfer noch immer.

Der Syrer Aldeen J. (24) musste sich am Freitag wegen versuchten Totschlags vor dem Dresdner Landgericht verantworten.
Der Syrer Aldeen J. (24) musste sich am Freitag wegen versuchten Totschlags vor dem Dresdner Landgericht verantworten.  © Eric Münch

Glaubt man dem Syrer, ist er sonst nie mit einem Messer unterwegs. Nur diesmal will er als Reinigungskraft ein Butterfly-Messer in einem Zug gefunden und in seiner Tasche vergessen haben.

Nicht in der Tasche hatte er jedoch eine Fahrkarte, als er mit der Linie 66 vom Hauptbahnhof zu seiner Freundin nach Nickern wollte: "Das ist mir erst aufgefallen, als ein Kontrolleur eingestiegen ist."

Als die Kontrolleurin ihn nach dem Ausweis fragte, behauptete er, keinen zu haben. Erst als der zweite Kontrolleur René S. (35) ihn nicht aussteigen lassen wollte, rückte er den Ausweis schließlich heraus. "Er hat gesagt 120 Euro", so Aldeen J. "Für dich und dein Fahrrad."

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Damit hätte die Sache erledigt sein können. "Doch ich war wütend", sagte der Angeklagte. "Da bin ich um den Bus herumgelaufen, habe mit dem Messer in den Busreifen gestochen." Das wiederum bekam René S. mit, er nahm die Verfolgung auf, holte Aldeen J. vom Rad und hielt ihn fest.

"Da habe ich ihn gestochen", gestand der Syrer. "Ich weiß, dass ich ihn verletzt habe, aber ich weiß nicht wo."

Der Angeklagte war bereits am 31. Oktober dem Richter vorgeführt worden.
Der Angeklagte war bereits am 31. Oktober dem Richter vorgeführt worden.  © Peter Schulze

Angeklagter zeigt Reue

Kurz darauf nahm ihn die Polizei ganz in der Nähe fest. Der Kontrolleur hatte die Verletzungen im Schock erst gar nicht mitbekommen. "Mir wurde gesagt, wenn ich schlanker gewesen wäre, hätte das tödlich enden können."

So wurden keine inneren Organe verletzt. René S. war fünf Wochen krankgeschrieben und muss noch heute in psychologische Behandlung. "Es tut mir wirklich leid", versuchte Aldeen J. sich zu entschuldigen.

"Ich war wütend, ich habe mich bedroht gefühlt. Ich wünsche Ihnen alles Gute." Urteil folgt.

Titelfoto: Eric Münch

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