Krimineller Altenpfleger erschleicht sich neue Identität als Rumäne

Dresden - Ganoven tauchen eigentlich in den kriminellen Untergrund ab, um der Justiz zu entwischen. Sascha S. (39) dagegen lebte monatelang in Dresden als fleißiger Altenpfleger.

Sascha S. (39) arbeitet heute unter seinem eigenen Namen als Lagerarbeiter.
Sascha S. (39) arbeitet heute unter seinem eigenen Namen als Lagerarbeiter.  © Simone Lauritz

Allerdings mit gefälschtem Pass. Laut diesem Dokument war er der Rumäne Vasile Radu. Erst einem Polizeiobermeister fiel der Schwindel auf. Nun saß der echte Sascha, ein Nordrhein-Westfale, vor der Amtsrichterin in Dresden.

Keiner schöpfte Verdacht, als Sascha aka Vasile den rumänischen Führerschein und Personalausweis vorlegte. Mit den Totalfälschungen erschwindelte er sich eine Meldebescheinigung, bekam eine Krankenversicherung, aktivierte ein Girokonto und bezog eine Zweiraumwohnung in der Seevorstadt. "Vasile" arbeitete sogar als Altenpfleger.

"Ich war damals auf der Flucht vor der Justiz", gab Sascha zu. In der Heimat war er wegen Drogendelikten verurteilt worden. In der Haft sollte er zur Therapie. Doch von dort büxte er aus!

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Und tauchte 2018 in Dresden als Vasile unter. Doch dann kontrollierte ein Polizist an der Prager Straße seine Papiere. Sascha flog auf, musste zurück in den Knast, saß bis August 2020 ein.

Richterin verzichtet auf Urteil

Und ist offenbar geläutert. Die heimatliche Behörde schickte ein regelrechtes Lobes-Schreiben ans Dresdner Gericht: Sascha ist clean, hat einen unbefristeten Job, lebt in einer festen Beziehung, hat regelmäßig Kontakt zum Bewährungshelfer, neuerliche Straftaten sind nicht bekannt.

"Das hört man doch gern", so die Richterin, die prompt auf ein Urteil verzichtete.

Das Verfahren wurde eingestellt. Dafür muss Sascha aber 60 Arbeitsstunden ableisten. "Krieg ich hin", sagte er und fügte hinzu: "Das hier war die letzte Klippe aus meiner Vergangenheit. Jetzt geht es nur noch bergauf."

Titelfoto: Simone Lauritz

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