Kronzeuge beschreibt Training: Wie die Hammerbande das Prügeln probte
Dresden - Kein gewöhnlicher Zeuge: Johannes D. (33) war selbst mal Teil der Antifa-Szene, packte schon im ersten sogenannten "Antifa-Ost"-Prozess gegen "Ex-Genossen" aus. Das tat er auch am Mittwoch unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen.
Dass er ihn für einen Verräter hält, macht der Angeklagte Johann G. (32) gleich zu Beginn der Verhandlung deutlich, betritt den Saal in einem Fußball-Trikot mit der Aufschrift "Omerta", eine Anspielung auf das Schweigegebot bei der Mafia.
Doch bis Johannes D. überhaupt aussagen kann, muss sich das Gericht mit allerlei Anträgen der Verteidigung befassen.
Drei Stunden später erschien dann Johannes D. zu seiner Aussage, begleitet von sechs vermummten Polizisten und einem "Schwein!"-Ruf aus dem Zuschauerraum.
Wie schon in der Verhandlung gegen Lina E. (30) schilderte er kurz seinen Weg in die Antifa-Szene und wieder heraus, kam dann zu den Trainings: "Das Ziel war, Gewalt gegen den politischen Gegner zu trainieren." Es habe kleinere, eher regionale Trainings organisiert von Lina E. und Johann G. gegeben.
Ein größeres mit Teilnehmern aus ganz Deutschland in einer Halle der "BSG Chemie Leipzig" habe unter anderem der Angeklagte Thomas J. (49) geleitet.
"Nach meiner Einschätzung war er schon länger in linksextremen Kreisen und hatte langjährige Erfahrung im militanten Straßenkampf", so der Zeuge.
Bei den Trainings soll der Umgang mit Überfällen geübt worden sein
Bei den kleineren Trainings soll der Überfall auf verschiedene Opfertypen trainiert worden sein: "Da war der Versuch, die Überzahl zu gewinnen, damit ohne Gegenwehr verletzt werden kann", sagte Johannes D.
Die Gruppe habe sich dabei aufgeteilt: Einer bringt das Opfer zu Boden, andere halten die Arme und Beine fest, einer schlägt mit einem Gegenstand zu. Eine "Übersichtsperson" gibt nach 30 Sekunden (oder wenn etwas schiefgeht) das Abbruchsignal, sichert die Flucht mit Pfefferspray ab. Statt Schlagstöcken soll ein Stock mit Schaumstoff, statt Pfefferspray eine Gartenspritze eingesetzt worden sein.
Der Prozess wird fortgesetzt.
Titelfoto: Peter Schulze
