Prozess geschwänzt! Richter erlässt Haftbefehl für Reichsbürger-Bosse
Dresden - Mit dem Verein "Geeinte deutsche Völker und Stämme" verbot das Bundesinnenministerium im März 2020 erstmals einen Ableger der Reichsbürger-Gruppierungen.
Zumindest in Sachsen agierten einige Truppenteile aber weiter und riefen die Soko Rex auf den Plan. Am Donnerstag sollte der Prozess gegen die "Landesherrin von Sachsen", Gina W. (64), und den "Buchführer der Landschaft Sachsen", Nils Z. (60), wegen Verstoßes gegen das Verbot am Landgericht Dresden beginnen. Die Angeklagten glänzten allerdings durch Abwesenheit.
Laut Anklage schickten die Beschuldigten auch nach dem Verbot krude Schreiben an Behörden und Ämter. So an Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert (54, FDP), wahlweise auch an Ministerpräsident Michael Kretschmer (51, CDU). Zudem warb Gina laut Anklage weiter für Mitglieder. Beide Angeklagte organisierten einen Vortrag für die Gruppe in Dresden. Allerdings stand da dann auch die Polizei im Saal und löste die Veranstaltung auf.
Sowohl über die Anklage als auch den Prozesstermin wurden beide schriftlich informiert. Als "zivile Personen" schrieben sie jedoch zurück, erklärten, sie hätten "mit der Behörde keinen Vertrag" und verblieben "mit friedlichem Gruß".
Nils, der sich auch "Gemeindevorsteher Niesky" nannte, schrieb angeblich sogar aus East Sussex (England). Zum Prozess jedenfalls kamen beide Angeklagte nicht. Der Prozess platzte. Der Richter stellte für Gina und Nils Sitzungshaftbefehle aus.
Titelfoto: Montage: Peter Schulze